„Don’t Forget Me, Petula! Don’t Forget Everything, Petula!“ – Petula! über sein neues Album und die Versionen des Vergessens

14.1.2013
Fraugoldklee
Allgemein

PRESSEFOTO01-by Sophie Krische

Ist es nicht immer wieder ein schönes Gefühl, wenn man eine Platte hört, so ganz ohne voreingenommen zu sein – und dann einfach begeistert ist? So geschehen, bei Petulas! – „Don’t Forget Me, Petula! Don’t Forget Everything, Petula!“

COVERSebastian Cleemann hat als Mitglied der Bands Kate Mosh und Sdnmt Indierock variiert. Er hat als Gesellschafter des Labels Sinnbus Platten anderer Leute veröffentlicht. Er spielt gern live und gern allein.Es flimmert,klirrt,raschelt – ist elektrisch, ja manchmal fast sphärisch. Man fühlt sich wie in eine andere Welt versetzt, so komisch es klingt – abholen lassen und mitgenommen werden – so würde ich mein persönliches Klangerlebnis beschreiben! Auf nun mittlerweile zwei Alben sperrt sich die einköpfige Gruppe Petula gegen die Entscheidung zwischen Erinnern und Erleben. In seinem neusten Werk beschäftigt sich Sebastian Cleemann himself in 11 Songs mit den „Versionen des Vergessens“. Das mag im ersten Moment alles sehr verwirrend klingen – doch setzt erst man erst einmal die Kopfhörer auf macht es POW und da isser , dieser berühmt berüchtigte AHA- Effekt!
Nicht im Alleingang sondern gemeinsam mit Oliver Stangl Missouri, Clickclickdecker) spielte und sang Sebastian Cleemann „Don’t Forget Me, Petula! Don’t Forget Everything, Petula!“ ein.In einem erzgebirgischen Bergzimmer, arbeiteten sie die Nächte durch und suchten sogar am frühen Morgen,noch im Schlafanzug nach dem einen passenden Ton. Ich liebe dieses Album. Die perfekte musikalische Untermalung zum Einschlafen und wieder aufwachen, zum Straßenbahn fahren und Füße hochlegen! Hier eine kleine Kostprobe:
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Die 11 Songs auf deinem Album handeln allesamt über „Versionen des Vergessens“ – Was sind Dinge die „Petula“ niemals vergessen würde/könnte?

Ich vergesse und behalte alles und nichts. Ich habe sowohl als Sebastian als auch als Petula, also im Alltag und auf der Bühne, ein sehr wählerisches Gedächtnis, das ich nicht immer verstehe. Momente großen Glücks und großer Scham bleiben häufig drin haften, und es ist ziemlich geübt darin, mich unvorhergesehen mit „Was war ich doch für ein Idiot“-Erinnerungen zu überfallen.
Ich habe immerhin schon erkannt, dass Textzeilen und Liedgrundrisse gut hängen bleiben, und kann deshalb hier sein und machen, was ich mache.

Every cherished memory is the death of something new. Unbesungen und doch gegenwärtig in deiner Musik – was ist das Problem zwischen „Erinnern“ und „Entdecken“

Erinnerungen sind etwas sehr zwiespältiges, finde ich. Sie geben einem im Guten wie im Schlechten Sicherheit und schaffen Perspektive – wie Fesseln und wie Scheuklappen halt auch. Entdeckungen wiederum sind auch nur aufregend, solange sie noch nicht Erinnerung geworden sind. Es ist mir wichtig, das Vergangene, Gewohnte, Sichere immer wieder neu zu bewerten – nie auf der sicheren Seite zu sein. Und zugleich allem Neuen gegenüber offen und mit Skepsis zugleich entgegenzutreten. Das ist anstrengend, mitunter sogar einfach Quatsch. Na klar.
Aber alle anderen Positionen bereiten mir eher Kopfzerbrechen.

In Musik und Spiel stellt sich das einfacher dar: Ich schaffe durch Komposition und Arrangement sehr feste Abläufe, die durch die Liveloops, Kurzsamples und den Einmannchorgesang aber immer wieder im Detail variieren und neu entstehen, mich mitunter selbst überraschen, ab und an enttäuschen und dann aber wieder die ganze Petulakiste komplett abheben lassen.

Wie würdest du deine Musik selbst beschreiben wenn du könntest?

Ein charmant unentschiedenes Wandern zwischen Harmonieversuch und schönem Lied. Verliebt in kleine Momente. Was für geschlossene Augen und angehaltenen Atem. Gitarre, Gesang, Geklimper und Gepucker. Bei „Genre“ schreib ich „Loop Folk“ rein.

Wenn du die wahl hättest: Großes Festival,oder doch lieber kleine Clubkonzerte?

Je kleiner der Raum, desto näher die Musik. Je größer die Bühne, desto größer für mich der Druck, über die Lieder hinaus noch etwas zu liefern – Chöre, Ballons, Videoprojektoren. Das wäre bestimmt sehr großartig. Aber das passt noch nicht in mein Tourauto.

Welche Künstler inspirieren dich?

Etliche und immer nur in Augenblicken. Arbeiten, die meine Neugier wecken oder mich erhellen. Die zum Reverse Engineering einladen oder alte Ideenfragmente irgendwie komplettieren.

Deine Lieblingsplatte 2012?

Dirty Projectors – Swing Lo Magellan

 

Tracklist

01 SLLR
02 Marry Me
03 A Circle Is A Lover´s Straight
04 Laika
05 Dog
06 Talking In Landslides
07 November
08 Sing!
09 Juri
10 Ik Kann Niet Meer Het Is Teveel
11 All We Ever Want Is Time Out Alone,
All We Ever Want Is To Forget This

www.petula.org

http://www.facebook.com/petulapetula

 

 

 

Über den Autor

Fraugoldklee Laura. 94er Baujahr. musikfanatisch. Keyboard Cat. Irgendwie liebt sie DAS. Überzeugte Gin Tonic-Trinkerin. Oder ein Weinchen vielleicht. Findet, dass die Welt aus lauter lustigen Dingen besteht, die betrachtet werden von lauter traurigen Menschen, die damit nichts mehr anzufangen wissen.

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