Interview: Im Tourbus mit Fritz Kalkbrenner

17.4.2013
Fraugoldklee
Music

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Fritz Kalkbrenner – was ’ne coole Socke! Der Berliner Produzent ist Musiker aus Leidenschaft, The Roots-Liebhaber, (ehemaliger) Konzertgänger und und ja richtig, auch bekannt als „der kleene Bruder vom Paule“. In den vergangenen Jahren hat er sich jedoch zu einem der erfolgreichsten Techno-Acts Deutschlands etabliert, spielt auf großen Festivals und in ausverkauften Hallen. Nach seinem erfolgreichen Debüt im Jahre 2010, tourt er momentan mit seinem Nachfolgewerk „Sick Travellin“ von Stadt zu Stadt und schlägt sich dabei regelmäßig die Nächte um die Ohren.

Ich habe den Fritz im Leipziger Kulturzentrum besucht und durfte gleich mal im Tourbus – ja, TOURBUS hihi – Platz nehmen, um dort 35 Minuten vor Konzertbeginn ein Fragenfeuerwerk loszulassen.

Unser Gespräch war dafür erstaunlich relaxed, die Ledercouch verdammt bequem und ich habe viel gelernt. Nämlich, dass die Leber mit ihren Aufgaben wächst, es auch in der Musik diesen ominösen „Funken“ gibt und nun hoffe ich sehnlichst auf eine erneute Einladung, um Fritz Kalkbrenner beim Fifa 13 zocken abzuziehen.

Du tourst jetzt schon seit ein paar Monaten durch die Gegend und hetzt von Termin zu Termin. Gönnst du dir zwischendurch auch mal ein Päuschen?

Während der Showtage geht die Kraft meistens flöten, da passiert auch im Bus nicht mehr viel. Ich bin ständig gestresst…aber naja…die Leber wächst halt mit ihren Aufgaben (lacht). Ne, nach 15 Jahren im Geschäft lernt man einfach damit umzugehen. Unter der Woche fängt das alles die Normalität wieder auf – da sitze ich morgens mit meinem Kaffee am Tisch und genieße es einfach, mal ganz ruhig in den Tag zu starten.

Du spielst ja auch auf einigen Festivals dieses Jahr – hast du da selbst einen Fav.?

Früher war es Melt!, da ist es eigentlich immer ganz cool. Aber ich spiele natürlich überall gerne! Privat bleibt dafür leider weniger Zeit…

Also bist du privat auch gern mal Konzertbesucher?

Früher total! Ich hab The Roots allein schon 14-mal live gesehen, aber das ist sehr eingeschlafen, was auch der Zeit geschuldet werden muss. Freitag und Samstag kann ich mir sowieso an den Hut stecken. Ich nutze da gerne Festivals, um vielleicht den ein oder anderen Act vor die Nase zu bekommen. Man kann echt wenig planen, das Meiste ergibt sich zufällig.

Auf Festivals passiert ja irgendwie immer etwas Verrücktes. Wenn du zurückdenkst, hast du auch eine krasse Festival-Story im Petto?

Heftigst war es letztes Jahr auf dem Urban Art Form Festival in Graz. Da wäre ich auf dem Weg zum Festivalgelände fast mit der Maschine abgestürzt. Es betraf ja nich nur mich, die komplette Crew von Justice, Peaches und Oliver Koletzki waren mit an Bord – wenn das Ding runtergegangen wäre, hätte es also richtig reingehauen. Hat aber am Ende zum Glück alles geklappt (lacht).

Nun zu deinem neuen Album „Sick Travellin'“ – hast du dich unter Druck gesetzt gefühlt, dem Vorgänger gerecht zu werden?

Da gibt es einen alten Ausspruch. Man sagt für das erste Album hat man das halbe Leben lang Zeit, für das zweite ein Jahr – das drückt aus, wie schwer es für einen Künstler ist, ein zweites Album zu produzieren. Ich hatte einen streng geltenden Bauplan und wusste ganz genau, wohin es gehen wird und was ich zum Einsatz kommen lasse. Hier fangen wir an, da hören wir auf. Das Arbeitspensum war also so hoch, dass ich kaum Zeit hatte, mir Gedanken darüber zu machen. Das Beste was es gibt, ist doch viel Arbeit, oder? (lacht)

Woher nimmst du deine Inspiration? Ich, als Frau, stelle mir das so vor: Fritz Kalkbrenner, an der Spree entlang laufend, mit Notizblock in der Hand, den Sonnenuntergang genießend? (Ja,ich musste selbst lachen!)

Das ist ja eine echt romantische Vorstellung. Aber äußere Einflüsse fördern meinen Impitus eher weniger. Das muss von innen kommen. Bei Malern passt das vielleicht, wir Musiker sind da abstrakter. Ich kann dabei auch in einem viereckigen schwarzen Raum sitzen. Das kommt einfach aus dem gesammelten Erfahrungsschatz an Momenten und Erinnerungen. Der Funke muss überspringen, daraus ergibt sich dann das Konstrukt.

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Wir von Dressed Like Machines sind ja überwiegend gebürtige Thüringer – umso mehr interessiert uns natürlich, wie es zu einer Zsammenarbeit mit dem aus Weimar stammenden Jonas Woehl kam?

Das war ein echter Zufall. Die Publishrechtler von meinem Verlag Modernsoul arbeiten mit Jonas zusammen und haben die Verbindung hergestellt. Dann haben wir ihm die Parts zugeschickt und innerhalb von zwei Tagen hat er das Ding fertig gemacht. Ging alles ratzfatz und ich bin fachmusikalisch auch total zufrieden damit. Es gibt nämlich in der Grundproduktion eine gewisse Harmoniefolge, an der sich auch der Gesang orientiert. Der Remix hat eine andere, funktioniert aber trotzdem mit den Vocals. Das gelingt nicht immer.

Hast du einen bestimmten Wunschauftrittsort? Den einen Place to be?

Eigentlich gar nicht – es kann überall schön sein. Ich will nicht in New York spielen, nur weil da der Times Square ist. Ich gehe dorthin, wo man meine Musik hören möchte. Wir lassen uns da gerne überraschen, das macht’s doch aus.

Und jetzt bitte Handy aus der Tasche und verrate uns 3 deiner momentanen Lieblingssongs…

Oh man…Musik ist so alltäglich, bei mir hält sich das, was von außen kommt, echt in Grenzen. Man befasst sich so viel und leidenschaftlich damit, dass es manchmal einfach nur nervt.

Mal sehen…(scrollt in seiner Playlist). Das neue Album von Bonobo ist sehr gut, die Kooperation mit Eriykah Badu ist jetzt nicht so geil – da finde ich die Nummer „Cirrus“ viel geiler.

Das erste Album von Hall & Oates darf auch nicht fehlen…“When The Morning Comes“ ist ein super Track.

 Last but not least haben wir da noch Van Morrison, den ich sehr toll finde. „Astral Weeks“ ziehe ich immer wieder aus dem Hut.

 

Danke dir!

Über den Autor

Fraugoldklee Laura. 94er Baujahr. musikfanatisch. Keyboard Cat. Irgendwie liebt sie DAS. Überzeugte Gin Tonic-Trinkerin. Oder ein Weinchen vielleicht. Findet, dass die Welt aus lauter lustigen Dingen besteht, die betrachtet werden von lauter traurigen Menschen, die damit nichts mehr anzufangen wissen.

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