Dressed Like Machines presents: „Fluidity“ – Das Interview mit dem Macher Felix Bonowski

07.10.2013
Willy
Art & Design

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Nun habe ich euch schon zwei mal über mein tolles Projekt mit Lenovo berichtet, bei welchem ich mit dem Künstler Felix Bonowski zusammen eine interaktive Video-Installation an einer Häuserwand in Neukölln umgesetzt habe. Bisher sind wir aber noch gar nicht weiter auf den Künstler eingegangen. Felix ist ein toller Kerl, der nicht nur schlau sondern auch visionär ist. Lest hier unser kurzes Interview mit ihm zu seiner Arbeit:

Dressed Like Machines: Wie bist du dazu gekommen, solche Installationen zu entwerfen?

Felix: Irgendwie hat mich schon immer fasziniert, wie die Strukturen in der Natur zustande kommen, die uns täglich umgeben.
Als ich mir dann als Teenager programmieren beigebracht habe, habe ich ziemlich schnell angefangen, mit physikalischen Simulationen zu experimentieren, in denen selbstgeschriebene „Naturgesetze“ die Bewegung von Körpern in einem simulierten Universum beeinflussen. Das war so ein bisschen ein kosmologisches Sandkastenspiel: Was passiert, wenn ich die Gravitationskraft etwas anders formuliere? Oder eine anziehende Kraft hinzufüge? Welche Kombination erzeugt die coolsten Muster? Und warum zum Teufel bildet sich auch nach tagelangem Rechnen nichts, was irgendwie im Entferntesten nach Spiralgalaxie aussieht?

Mein Zugang war dabei immer in erster Line ein sinnlicher: Ich hatte keine Ahnung, wie die „echten“ Naturgesetze aussehen, oder wie man so etwas fehlerfrei berechnet. Aber diese wirbelnden Spiralbahnen sahen schon in 16Farb-EGA-Grafik (ohne Energieerhaltung, aber dafür in Rot/Blau-Brillen-3D…) ziemlich cool aus!

Der entscheidende Moment hin zu den interaktiven Installationen in ihrer heutigen Form kam dann während eines Gastaufenthalts in einer Systembiologie-Forschungsgruppe an der Harvard Medical School in Boston. Ich war ziemlich frustriert mit der Arbeit an mathematischen Modellen biologischer Prozesse, die in meinen Augen mit der Realität in etwa so viel zu tun hatten wie meine kruden Gravitationssimulationen aus der Mittelstufe. Und dann kam da dieser Typ Brian Knep, dessen Schreibtisch ich okkupiert hatte, und zeigte mir Videos seiner interaktiven Reaction-Diffusion-Visualisierungen. Ich war sehr beeindruckt von der unmittelbaren Verbindung, die das Kameratracking zwischen simulierter Grafik und physischer Welt herstellt und wollte unbedingt etwas mit dieser Technik machen.

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Dressed Like Machines: Wie lange hat es gedauert, bis die Technik so funktioniert hat, wie du es wolltest?

Felix: Die ersten wackeligen Schreibtisch-Probeaufbauten des Kamera-Trackings liefen eigentlich schon nach ein paar Wochen, aber bis zu einem Setup, das schnell aufgebaut ist und in einem öffentlichen Raum monatelang ohne Wartung durchhält, war es dann doch eine lange kontinuierliche Entwicklung mit vielen kleinen Tricks im Detail. Anfangs habe ich ja in erster Linie Club-Gigs gemacht – da war es auch gar nicht schlimm, wenn die Kamera um 6 Uhr morgens anfängt Geister zu sehen, weil das Publikum das dann eh nicht mehr wirklich mitbekommt… Aber irgendwann ist man dann doch erleichtert, wenn man die Kiste anschalten und nach Hause gehen kann, ohne sich ständig Sorgen zu machen, dass etwas nicht läuft. Mit der Zeit konnte ich mir dann auch ein bisschen professionelleres Material anschaffen und so ist dann die Technik dann kontinuierlich mit den Ansprüchen mitgewachsen.

Dressed Like Machines:  Nenne uns mal ein paar Referenzen. Was war deine tollste Erfahrung mit deiner Installation?

Felix: Die schönsten Auftritte sind immer die, in denen ein kollaboratives Element im Publikum entsteht und fremde Leute zusammen mit der Installation etwas anstellen, auf das ich selbst so nicht gekommen wäre. Interessanterweise passiert das oft gerade auf eher mäßig besuchten Freak-Festivals oder Privatparties während z.B. diesen Sommer in der Saatchi-Gallery in London ununterbrochen ein Haufen hyperaktiver Kids im Bild herumgesprungen ist, so dass nie wirklich die Ruhe und Intimität aufkam, die die Leute für ein poetisches Spiel mit der Grafik brauchen… Wirklich toll waren die Attension vor zwei Jahren mit vielen Theaterleuten im Publikum und die Ausstellung im Haus am Lützowplatz, bei der der Funke dann auch auf die anwesenden Schlipsträger übergesprungen ist.

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Dressed Like Machines: Sind in Zukunft noch andere Sachen in die Richtung geplant?

Felix: Momentan arbeite ich mehr mit physischen Objekten als mit Licht – irgendwie ist es schön, mal wieder etwas zu tun, das nicht nur die Illusion von haptischem Erleben vermittelt… Momentan baue ich z.B. an Robotern, die sich autonom durch den Raum bewegen und dabei Karten von für den Menschen verborgenen Eigenschaften der Umgebung auf den Boden zeichnen.

Mehr in die Richtung der Installationen geht eine Tanzperformance, die ich letztes Jahr zusammen mit Sandra Hanschitz und Diana Thielen erarbeitet habe: Dort hatte ich einen Laserscanner an der Decke aufgehängt und damit Linien projiziert, die im Nebel Wände aus Licht bilden. Zusammen mit dem interaktiven Tracking konnte man so sehr schön mit dem Raum arbeiten – verbinden, einengen, öffnen usw. – und dynamische Bühnenbilder erzeugen. Das hat wirklich Spaß gemacht. Ich wäre da auch durchaus offen für eine Kollaboration mit einem Choreographen und einer Modern-Dance Gruppe. Vielleicht finde ich in den nächsten Wochen ja mal Zeit, die Videos zu schneiden, die dabei entstanden sind…

Dressed Like Machines:  Gibt es Künstler oder Menschen, die du dir für deine Arbeiten zum Vorbild nimmst?

Felix: Schwierige Frage – zu dem Zeitpunkt, als ich die syntheticmatter Serie angefangen habe, hatte ich bis auf diese eine Begegnung mit Brian Knep keine Ahnung was andere Leute so machen. Und irgendwie wollte ich das auch gar nicht, weil ich erst einmal unabhängig davon das tun wollte, was ich selbst gut finde. Als ich dann angefangen habe, danach zu suchen, habe ich natürlich einen Haufen Leute gefunden, die ziemlich cooles Zeug machen. Aber ich versuche dann eher Abstand zu deren Arbeit zu halten, als etwas Ähnliches zu tun.

Danke nochmal an Felix für seine wirklich tolle Arbeit und auch an Lenovo, mit denen wir dieses Projekt umgesetzt haben.

Über den Autor

Willy Dr. Lima

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