Willy beim abseilen oder auch der Tag, an dem ich meine große Angst überwunden habe

06.1.2014
Willy
Fotografie, We dressed like you! The Story of...

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Ich muss ehrlich zu euch sein. Oftmals bin ich ein riesengroßer Schisshase. Im alltäglichen Leben habe ich vor Dingen Angst, die für einige von euch wahrscheinlich das normalste auf der Welt sind. Ich will auch gar nicht weiter auf andere Dinge eingehen, es geht hier viel mehr um den Trip, den wir in Südafrika nach der Reise ins Township unternommen haben. Wie ich euch schon berichtete, war ich ja bereits sehr angespannt, bevor wir in das Township gefahren sind. Diese Angst hat sich ja dann gelegt und alles war tutti frutti.

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 Als der Trip dort zu Ende war, dachte ich eigentlich, dass ich es für diesen Tag mit Adrenalin abbauen geschafft habe. Falsch gedacht: Unser Guide sagte uns dann kurzfristig bescheid, dass wir unseren Trip zum weltberühmten Tafelberg heute umsetzen, da das Wetter perfekt gepasst hat. Also es hat so gepasst, dass ich aussah wie ein Krebs, weil ich mal wieder Mutti Sonne unterschätzt habe.

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 So holte uns Jan also ab, in seinem rumpelnden Toyota, der gar nicht so sicher wirkte, wie wir gehofft hatten. Tafelberg → wandern und so, ihr wisst. Das ist das, was wir als Kinder zum großen Teil eher weniger gern gemacht haben, ich will niemanden was vorweg nehmen, aber ich war immer total wanderfaul. Nun ja, egal, Jan überbrachte uns zwei Botschaften. Die erste bestand darin uns zu sagen, dass wir mit der Seilbahn die anstrengenden 1080 Meter hochfahren. „Gott sei Dank“ dachte ich mir, bis ich dann die zweite Botschaft hörte. „Wir seilen uns von der Spitze ab!“ Und plötzlich war ich wieder der kleine Schisser, der ich schon immer war, wenn es um heikle Dinge ging. Ich hatte keine Ahnung was auf mich zu kam und hatte mir die ganze Zeit versucht schön zu reden, dass es doch ganz einfach und easy ist (was es letztendlich auch war, ich aber zu diesem Zeitpunkt nicht wusste). Oben angekommen, hat uns der Wind förmlich ausgepeitscht. Nicht nur, dass ich von einem Vogel vollgekackt wurde, nein, es war auch noch von unten!!! Wurdet ihr schon mal von einem Vogel angekackt, wo das Produkt von unten kam? Sicherlich nicht, oder? Jetzt habt ihr ja eine ungefähre Vorstellung, wie sehr der Wind da oben ging. Egal, weiter Anspannung, was war nun mit dem abseilen? Flo hatte mindesten genau so viel Schiss wie ich, lies sich das aber absolut null anmerken. Coole Sau eben, dieser Bayer… Zurück zum Thema: Abseilen oder nicht? Das ist die Frage. Nachdem unser Guide für die Action auch ankam und uns etwas unterschrieben lies, was so viel bedeutet hat wie: „Wenn wir fallt, ist es nicht unsere Schuld.“ Sollte ich das wirklich tun? Wie oft hat man schon die Gelegenheit so etwas zu machen? Ungefähr sehr selten, so fuck it. Machen wir es einfach, obwohl ich nach wie vor ein verdammt mulmiges Gefühl dabei hatte, dass da etwas passieren kann. Und meine Vorstellung von 10 m abseilen und unten behutsam aufgenommen werden haben sich dann auch ganz schnell verflüchtigt, als ich sah, wie tief und geradewegs bergab die ganze Geschichte ging. Ich hab leider zum jetzigen Zeitpunkt noch keine genaue Zahl, aber ich schätze den Abstieg so auf gut 70 Meter oder mehr. 70 Meter abseilen an einer Klippe, wie sie die Natur geschaffen hatte. Und dann ging es los:

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Arschbacken zusammenkneifen, nicht nach unten schauen und ab geht die Post. Natürlich wurde vorm Abstieg nochmals obligatorisch mit unseren Nerven gespielt, als wir freihändig in fallender Position in die Kamera grinsen mussten. Die Hölle sag ich euch, das Vertrauen muss man erstmal aufbringen, dass man da gehalten wird. Nun ging es los & ich bin ein Mensch, der so etwas schnell hinter sich bringen will, weil Adrenalin und so. Die Handschuhe wurden vom Seil heiß, ich wurde etwas panisch, dann wieder kurz anhalten und beruhigen. So ging es die ersten 10 Meter, dann habe ich mich etwas professioneller verhalten, mein Ding durchgezogen und mich perfekt zum Ziel abgeseilt. 1-2 kleine Sprünge und eine faustdicke Überraschung waren auch noch drin. Nach ungefähr der Hälfte der Strecke, war auf einmal keine Felswand mehr da, wir sprangen in die Leere. Da denkt man sich auch im ersten Moment „What the fuck??? Warum lassen die uns so etwas machen?“ War aber eingeplant und dann nach dem ersten Schock eigentlich total geil. Purer Nervenkitzel, pures Adrenalin. So konnten wir zumindest ein bisschen nachvollziehen, wie sich Extremsportler in solchen Situationen fühlen. Und ich muss auch denen meinen Respekt zollen, die diese ganze Geschichte ohne Absicherung machen, ganz allein.

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Mein Fazit: Ich würde es um jeden Preis wieder machen. Die erste Überwindung ist sehr schwer, aber es war total geil und der reinste Nervenkitzel. Wir als Internetmenschen brauchen das dann doch auch ab und an mal. Kann es nur jedem empfehlen.

Alle Fotos von Flo Hauck

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Diese Reise wurde von dein-suedafrika.de, flysaa.com und zalando.de möglich gemacht. Vielen Dank hierfür!

Über den Autor

Willy Dr. Lima

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