Love Like Machines #2: Teufelskreis

03.3.2014
Sophie Krause
Allgemein, Kolumnen

Love Like Machines (LIM) ist die erste Kolumne auf drlima.net. LIM spielt meistens in Berlin, aber immer in euren Köpfen & somit überall. LIM widmet sich der Liebe & damit allem von Kopfkino bis Herzklopfen. LIM lügt nicht. LIM fühlt. Und, zu guter Letzt: LIM ist aus der Sicht einer Frau. Nichts für ungut, Männer, ihr seid nicht an allem Schuld.

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Foto by Alexander May

Der letzte LIM zum Thema Affäre schloss mit den Worten, dass die Hoffnung zuletzt stirbt. Dass aus Affären mehr werden kann. Kann. Manchmal. Denn Obacht, Liebe jibt`s nicht zu verschenken. Nur die Harten komm in Garten. Und nur die, die durchhalten und den Kreis voll machen, bekommen ihre Chance auf ein schmalziges, triefendes Happy End. Oder eben auch nicht. Welchen Kreis vollmachen? Den hier:

0 Uhr:
Ihr seid mitten drin in eurem Tächtelmächtel. Es plätschert so vor sich hin. Alles kann, nichts muss. Dann sagt sie, mir reicht das nicht, ich möchte mehr und er antwortet mit, ich hab dir gleich gesagt woran du bei mir bist, mehr ist nicht drin. Soweit, so bekannt. (Detaillierte Ausschmückungen finden sich in LIM #1 Affären)
Dann passiert das, was wirklich immer kommen muss – sofern die Frau den allgemeinen Regeln zu „wie mache ich ihn doch noch klar in xy Minuten, Stunden, Tagen, Wochen“ folgt.
3 Uhr:
Sie geht auf Tauchgang. Sie schnallt sich die Brille schmatzend aufs Gesicht, steckt den Schnorchel in den Mund und begibt sich auf unbestimmte Zeit in eine andere Welt. Dorthin, wo sie sich ablenken, wo sie wieder atmen kann, wo sie Frieden findet. Doch hoppla, hier gibt es ja auch andere süße, kleine und starke, große Fischis. Unser Teich ist gar nicht so klein, wie wir immer dachten. Nicht selten lässt Taucherfrau vorübergehend einen anderen ins Netz gehen. Was natürlich zum Manöver dazu gehört, denn was kann sie dafür, dass dem Typen den sie eigentlich will, gerade die Sauerstoffflasche für einen gemeinsamen Tauchgang ausgegangen ist?
Man könnte es auch weniger metaphorisch beschreiben. Unsere Omas und Mütter nannten es „kalte Schulter zeigen“ und wussten damals noch nicht, wie wir dieses simple Vorgehen beim Kampf um einen Mann perfektionieren werden würden. Sich einfach nur zurückziehen? Paah, für den besonders dramatischen Moment wird der Typ nach dem ersten Viertel aus facebook- & whatsapp-Listen gekickt. So läuft das heute. Was los.
6 Uhr:
Mann bekommt das natürlich mit. Irgendetwas ist komisch, dass Häschen meldet sich gar nicht mehr, antwortet nicht und geht mit anderen Rammlern feiern. Hallo? Das kann Mann nicht akzeptieren. Die Verbindung muss wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Das starke Geschlecht zieht nach und erkundigt sich bei seiner Teilzeit-Liebsten wie es denn so geht, was die Wochenendpläne vorsehen und wann man sich das nächste Mal trifft.
These: Frauen würden nicht abtauchen, wenn Männer nicht genau das brauchen würden. Aber zahlt diese Behauptung nicht am Ende in die Überlieferungen aus der Steinzeit ein? Frauen dürfen keine allzu leichte Beute sein, weil Männer jagen wollen? Ist es wirklich so einfach?
9 Uhr:
Wir geben nach, knicken ein und bewegen uns von halb auf dreiviertel, von 6 auf 9 Uhr. Wir fragen uns, was die Masche unserer Großmutter nützt, wenn danach eh alles wieder ist wie vorher? Aber gut. Wir üben uns im Geduldig sein. Schließlich ist das der Mann, mit dem wir zusammen sein wollen. Das wird schon alles noch. Er wird schon noch sehen, was er an uns hat. Doch dann fällt uns plötzlich wieder dieser Bekannte ein, der neulich erst gesagt hat: „Wir Männer sind bequem. So lange uns die Frau die Pistole nicht auf die Brust setzt, machen wir eben noch sechs Monate weiter wie bisher.“
Ladies, es ist 9 Uhr und ihr habt die Schnauze voll? Dann entscheidet euch und zieht den Revolver! Die richtig toughen Frauen, die die sagen, was sie meinen und dann auch konsequent sind, drücken ab und lassen ihn zurück. Alle anderen, die Überzahl, drückt ihm den Kolt zaghaft unters Kinn und spricht noch einmal eine gut gemeinte Warnung aus: wenn du dich nicht entscheidest, bin ich weg.
12 Uhr – Das Ende, der Anfang:
Ha, ehe wir uns versehen, sind wir auch schon eine Runde rum. Der Kreis ist voll. Die Torte verschmaust. Es schlägt 12. Und nun? Wie geht`s weiter? Hm… Warum nicht einfach noch einmal von vorne anfangen? Weil`s so lustig war? Tick tack tick…
Aber ey, wie anfangs eingeleitet, kann am Ende alles gut werden. Es gab schon Pärchen, die sich nach mehrmaligen Umrunden und chronischem Drehwurm wirklich noch in größter Zuneigung und Verbundenheit das Ja-Wort gaben. Voll schön. Wäre der Weg dahin doch nur nicht so nervenaufreibend gewesen. Um es also etwas abzukürzen: liebe männliche Schnubbis, seht euch eure aktuelle, ungezwungene Weggefährtin noch einmal genau an. Wollt ihr mit der Perle auch noch in zwei Monaten chillen, dann macht das. Auf Ansage. Im TV hieß es neulich so schön: es geht nicht darum, mit wem du die Samstagnacht verbringen, sondern mit wem du den Tag danach erleben möchtest. Break the circle. Hard.

Über den Autor

Sophie Krause Die 29jährige zugezogene Brandenburgerin mit Kodderschnauze und Speckgürtel-Dialekt, arbeitet nicht nur an der Fertigstellung ihres Romans, sondern schreibt auch mit großem Vergnügen über die Liebe an und in der Hauptstadt. Musik, Fashion, Party`s, Art - you name it.

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