Love Like Machines #3: die Bachelorette, Schweine & der Bro-Code

06.8.2014
Sophie Krause
Film und TV, Kolumnen

Bei Love Like Machines geht es normalerweise um andere Dinge, die wahre Liebe oder das Unwahre jahrelanger Affären. Heute machen wir eine Ausnahme. Heute gibt es ein Spezial – über die blonde Bachelorette und ihre treudoofen Anwärter.

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Treudoof? Unbedingt. Ein Verhalten, wie die Herren es in den letzten drei Mittwochabenden in der Kuppel-Show an den Tag gelegt haben, hätte es bei den weiblichen Rivalinnen um Christian im letzten Winter sicher nicht gegeben. Da wirft Fräulein Anna den Knochen vom Boot und alle ihre Burschen springen erwartungsvoll hechelnd ins Wasser. Wer als erstes bei ihr ist, bekommt das Date. Die 20 Mädels hätten so was nie gemacht. Allen voran: die besonders exotischen Exemplare Georgina und zuletzt Angelina. Die rennen doch keinem Typen hinterher. Die sind in der Show, damit sie erobert werden. Die sind da, damit der eine Mann sieht, dass sie unter all den anderen Knutschbalken die einzig wahre Madame zum Wegschlabbern sind. Beides Prinzessinnen auf der Erbse. Das sich die Namen ähneln, ist ein Zufall, oder?
Aber wir wollen auch nicht ungerecht sein. Denn: einer ist schließlich nicht ins kühle Nass gesprungen. Oho! Das aber auch nur, weil er nicht wusste, was unter ihm ist. Da hätten schließlich riesige Haie hungrige Runden um seinen protzigen Körper ziehen können. Merkt ihr selbst, ne?
Neben dem Weißwurst-Verhalten der Herren und dem Eindruck, dass sie auf Automatik funktionieren, gibt es noch etwas, das beide Shows eklatant voneinander unterscheidet. Der gute, alte Dirty Talk. Beim Bachelor bevorzugt von seinen läufigen Schnallen eingesetzt, erinnern wir uns an unglaublich erotische Gespräche mit Christian, Katja und dieser Asiatin vorm Kamin. Glatzenchristian bekam damals die volle Dröhnung ihrer Dreier-Phantasien unter die Nase (oder in den Schritt?) gerieben. Wo auch immer das weibliche Exemplar die Lehre aufgeschnappt hat, sexy Details sichern dir jeden Typen: nur weiter so! Blamiert euch!
Und die Kerle bei der Bachelorette? Sexy Talk? No way! Die halten schön die Bälle flach. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ha. Was ist das los? Richtig brav und anständig, gut gekleidet, humorvoll und charmant kommen die um die Ecke. Ok, fein. Auch hier gibt es Exemplare, deren Ecken und Kanten nach der dritten Folge deutlicher hervorstechen als bei anderen. Die Rede ist z.B. Antonio, ach nee, sorry, ich meinte eigentlich Aurelio. Huch.


Zehn Jahre gab es das Format nicht mehr mit einer Frau. Damals war es Monica Ivancan, die im Männer-Auflauf nach dem richtigen Würstchen stocherte. Man könnte behaupten, für sie hätte es sich gelohnt. Blondie kennt heute schließlich ganz Deutschland. Aber: was machen die ganzen Typen da? Wollen die auch alle berühmt werden? Alle? Versteh ich nicht. Wozu? Jut, für den Friseurladen-Besitzer aus Bonn könnte seine Teilnahme sicher zum Geschäft seines Haarschneider-Lebens führen. Aber die anderen? Werden als Model (Andreas) bekannt, starten als Comedians (Manuel) durch, verlieben sich tatsächlich wirklich (Luke) oder gehen als sympathische, aber zurückhaltende, da gebrochene Herzen transportierende Tommys in die Geschichte der Show ein? Wäre eine Option. Schon richtig. Und es zeichnet sich ja bereits ab, dass der ein oder andere allen ernstes sein Herz an Anna verlieren könnte. Klar, gibt es immer Leute die hier aufschreien: Ist doch alles geskriptet, Uschi! Ich schreie zurück: Wann geben sich Männer denn freiwillig in einer solchen Öffentlichkeit verletzlich? Na? Siehste. Die Frage ist also: wie geht`s weiter. Werden dort einem noch die Sicherung durchknallen? Wird der eine dem anderen eine klatschen? Wird einer der Anwärter gar noch eine Rose verweigern? Dann eher aus Eifersucht oder aus Respekt vor dem erst kürzlich gewonnenen Kumpel, der schon etwas verknallter ist, als er selbst?
Beim Bachlor sind nämlich genau wegen sowas schon innig geschlossene Freundschaften zerbrochen. Angelina und Funkel-Girly Jessy haben kein Wort mehr miteinander geredet, als die körperlichen Angriffe beider Parteien auf Christian zunahmen. Wie wird das bei den Herren sein? Schlägt da der Bro-Code zu? Wird die allseits beliebte Redewendung „Wahre Freundschaft gäbe es nur unter Männern“ im TV ihren Beweis finden? Denn auch in der aktuellen Show haben sich Grüppchen gebildet und der Zusammenhalt in den Cliquen scheint (noch) anzuhalten. Tim aus Bonn war es sogar ein bisschen unangenehm den Brudis von seinem Kuss mit der Bachlorette zu erzählen. Er wollte gar nicht richtig raus mit der Sprache. Ist fast rot geworden. Süß. Ob die Rücksicht untereinander auch in dieser Staffel mit der fortschreitenden Selektion Annas sinkt?
Was ich mich in diesem Zusammenhang aber noch frage: finden die Teilnehmer das Fräulein Anna wirklich alle toll? Keiner, dessen Typ sie nicht ist? Wie geht das denn? Welcher Realität soll das bitte entsprechen? Oder verhält es sich hier eher wie auf dem Brandenburger Bauernhof – wenn die Bio-Schweine im Gehege halt nur eine Sau haben, dann eben alle rauf da? Immerhin sind die Kerle ja über Wochen eingefercht… Nicht das Anna nicht attraktiv wäre. Ist sie! Sie ist sympathisch und, in meinen Augen, sehr natürlich. Sie macht sich die Gedanken, die sich eine Frau macht, wenn sie bei einer Dating-Show Woche um Woche vor einer Öffentlichkeit von ca. 2,5 Millionen Zuschauern steht und bereits in der dritten Folge das Zünglein an der Waage war. Eigentlich ein normales Ding, bei einem Date mit nem heißen Typen zum Ende hin auch mal „Hallo zu sagen“, wie die Herren in der portugaler Villa den liebevollen Schlagabtausch zweier Zungen nennen.
Wenn Anna allerdings in dem Tempo weitermacht und jeden (so schnell) ran lässt, bleibt es sicher nicht bei dem Gewitzel übers „Hallo sagen“. Die Situation könnte recht leicht eskalieren und die ach so charmanten Herren ihre Ziele plötzlich höher stecken. Diese Gespräche wünsche ich ihr nicht und hoffe, dass es, selbst wenn sie alle verbleibenden Kandidaten mal ausprobiert, nicht zur nationalen Ächtung kommt. Sie ist jung, attraktiv und darf das. Und ok, vielleicht brauchte sie auch das Geld. Knutsch so viel du willst, Anna! Ich bin dafür! Pro Knutschen!
Heute Abend ist es also wieder soweit. Eine weitere Folge, eine weitere Nacht der Rosen. Noch ein Unterschied der weiblichen Show-Variante zur männlichen: bei Anna wird singend am Klavier gesessen, bei Christian wurde getanzt und sich dabei auch gerne mal untereinander aneinander gerieben, wenn der Bachlor gerade nicht in der Nähe war. Frauen tanzen in Clubs schließlich auch in Grüppchen. Dennoch bin ich dankbar, dass Anna sich nicht mit einer wöchentlichen Schar wild um sich wackelnder, zu Stripper-Moves neigender Herren umgeben muss. Das sähe nicht besonders gut aus. Auch nicht als der eine, nennen wir ihn Magic Maik, seine Tanzkünste an ihr unter Beweis stellen wollte. Dann doch lieber auf der Schaukel sitzen, Champagner trinken und singen.
Allen die später mehr oder weniger freiwillig dem Spektakel beiwohnen, sei viel Spaß gewünscht. Tipps, welche Kandidaten dieses Mal fliegen, nehme ich gerne in den Kommentaren entgegen. Bleibt nicht mehr viel zu sagen, außer: bis bald UND meine letzte Rose geht an…

Die Bachlorette läuft heute um 20.15 Uhr auf RTL.

Über den Autor

Sophie Krause Die 29jährige zugezogene Brandenburgerin mit Kodderschnauze und Speckgürtel-Dialekt, arbeitet nicht nur an der Fertigstellung ihres Romans, sondern schreibt auch mit großem Vergnügen über die Liebe an und in der Hauptstadt. Musik, Fashion, Party`s, Art - you name it.

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