Psaiko.Dino & Basti über das Cro-Buch, Schnapsideen & „Ja Ja Ve Ve“

Seit dem 08.10.2014 gibt es ein Buch über den Rapper mit der Panda-Maske. Geschrieben wurde es von Sebastian Andrej Schweizer, einem der Gründer des Labels Chimperator, und Psaiko.Dino, Cro`s DJ.
Ich habe die beiden über „Easy does it – Cro, die Maske und der ganze Rest“ zum Gespräch getroffen und darf nun behaupten, schon mal mit Psaiko.Dino telefoniert zu haben.

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Wie fühlt es sich an, zu wissen, dass das eigene Werk nun in den Bücherregalen dieses Landes steht & die Amazon-Verkaufsränge (in den Kategorien: Musiknote, Biographie & Kultur) anführt?

Psaiko: Also ich finds saustark. Jetzt erntet man, was wir vor einem Jahr als Schnapsidee gesät haben. Aber ich fand zum Beispiel den Moment krasser, als ich das Buch und das Hörspiel gestern zum ersten Mal in der Hand hatte. Ein Release-Termin ist halt auch einfach nur ein Datum, ab dann das Buch erhältlich ist.

Wirst du denn los gehen & dir ein Exemplar kaufen?

Psaiko: Nö, ich bekomms ja gratis.

Basti: Ich habe fünf Stück vom Verlag bekommen und habe jetzt nur noch zwei. Wenn die weg sind, hole ich mir vielleicht auch eins. Ist bestimmt schon eine Erfahrung, sich das eigene Buch zu kaufen.

Psaiko: Also ich würde mir fünf Stück kaufen, wenn es heißt, es fehlen noch fünf bis zum „Goldenen Buch“.

Ihr habt gerade erwähnt, dass Projekt ist als Schnapsidee entstanden. Im wahrsten Sinne des Wortes? Wart ihr so richtig schön hackedicht?

Basti: Hackedicht waren wir nicht, nee. Wir haben beide immer mal wieder darüber gesprochen ein Buch zu schreiben und haben dann auch bald erste Texte ausgetauscht. Allerdings ist uns recht früh bewusst geworden, wie viel Arbeit das ist. Also haben wir uns überlegt, schreiben wir doch einfach ein Buch zusammen. Dann haben wir beide weniger zu tun.

Wann habt ihr genau angefangen zu schreiben?

Basti: Vor mehr als einem Jahr wurde die Idee konkret. Wirklich angefangen zu schreiben haben wir letztes Frühjahr. Der Schreibprozess hat dann genau eine Woche gedauert, die wir komplett in einem Hotel in Barcelona verbracht haben und dieses auch wirklich die ganze Zeit nicht verlassen haben. Aber dadurch das unser Thema nicht fiktiv war, ging das.
Psaiko hat viel mit facebook und instagram gearbeitet. Ich habe alte Mails gecheckt, um mich besser in die Zeit zurück versetzt zu können. Wir saßen die ganze Zeit nebeneinander und haben viel gequatscht. Alleine im Gespräch fallen einem ja viele Sachen wieder ein.

Ihr beschreibt eine Situation jeweils aus zwei verschiedenen Perspektiven. Wie seid ihr konkret vorgegangen?

Basti: Das erste was wir gemacht haben, war ein Inhaltsverzeichnis mit zehn Kapiteln aufzustellen, wozu wir jeweils ein paar Stichpunkte geschrieben haben. Direkt im Anschluss hat dann jeder seine zehn Kapitel zu dem jeweiligen Thema geschrieben.

Habt ihr persönliche Lieblingsstellen? Besonders lustige, besonders emotionale?

Basti: Es gibt einige Situationen die wir beschreiben, die sehr emotional waren. Das Abschlusskonzert der ersten Tour damals in der Schleierhalle war z.B. so ein Moment. Da hat man zum ersten Mal gesehen, dass die ganzen Klicks und Likes auf facebook & Co. wirklich Menschen sind. Dann stehen da halt einfach mal 12.000 Leute vor der Bühne und schreien.

Psaiko: Wir haben uns auch sehr über einzelne Autorenphrasen amüsiert. Oder pfiffige Wortspiele die wir rein gebracht haben.

Worüber ich mich amüsiert habe, war die eigene Sprache in der ihr schreibt. Sehr authentisch. Auch wenn ich nicht alles kenne, was ihr da so verbraten habt. Was heißt z.B. „trill“ oder „Ja Ja Ve Ve“?

Psaiko: „Ja Ja Ve Ve“ ist dieser Song von Haftbefehl den ich produziert habe. Die Phrase „Gangster Gangster Ja Ja Ve Ve“ stammt aus diesem Song. Du musst deine Finger zu einem Schnabel formen und immer wenn einer Quatsch erzählt, sagst du halt so „Ja Ja Ve Ve“.

Basti: Wenn du z.B. sagen würdest, ich hab gerade 100 EUR gefunden, dann würde ich sagen „Ja Ja Ve Ve“. „Ve“ steht ja eigentlich für das französische „qui“. Also übersetzt: Ja Ja.

Psaiko: Da gehört aber eigentlich noch die Phrase „Gangster Gangster“ davor. Dann macht das Sinn. Dann wird ein Schuh draus.

Ist klar, macht total Sinn! (alle lachen) Und „trill“ sagst du, wenn etwas besonders cool ist und Spaß macht?

Psaiko: Na, da müsste ich jetzt den genauen Zusammenhang kennen.

Ich: Na komm, du hast das ja nicht nur einmal geschrieben.

Psaiko: Na dann ging`s halt ab. Dann wurde es asozial. Dann wurde Party gemacht. Als ob du als Berlinerin das nicht kennst!

Ich: Nee, echt nicht. Rumkumpeln ist mittlerweile auch bei mir angekommen, aber in eurem Text gab es wirklich einige Worte, die ich nicht kannte. Wegflashen – auch so ein Wort. Ihr habt da schon eine sehr eigene Sprache.

Basti: Wir sagen doch nicht wegflashen!

Ich: Na du vielleicht nicht, aber ich hab das auf jeden Fall gelesen. Aber zurück: habt ihr euch die Kapitel gegenseitig vorgelesen, wenn ihr fertig wart?

Psaiko: Abends vorm zu Bett gehen, ja. Danach haben wir dann immer noch eine Folge „Modern Family“ geschaut und schließlich unseren wohlverdienten Autorenschlaf genommen. Am nächsten Morgen ging`s dann wieder von vorne los.

Psaiko, du kommst ja nun aus dem Grafikbereich und bist Beat-Produzent. Warum Schreiben, ist das etwas, das du schon immer machen wolltest?

Psaiko: Generell ist das eine kreative Ecke, wo ich mich schon immer mal ausprobieren wollte, ja. Nach dem wir uns überlegt haben, zusammen etwas zu schreiben, haben wir dann gesagt, warum nicht über etwas, wo wir viel drüber sagen können. Es hat sich also irgendwie ergeben und war nicht so, dass wir gesagt haben, ein Buch gibt’s noch nicht, machen wir so was halt. Es war aus einer Laune heraus, wir hatten da einfach Bock drauf.

Inwiefern war Cro in den Prozess involviert? Habt ihr ihn zum Kaffeeklatsch angerufen?

Basti: Während des Schreibprozesses war er ja in Deutschland. Aber danach haben wir ihm direkt die erste Version überreicht und er hat Feedback gegeben „das find ich cool, aber da war es doch eher so und so“ und wir haben das eingearbeitet. Er hat dann ein schönes Vorwort dazu geschrieben und erzählt, wie es für ihn war, das ganze Ding zu lesen.
Es ist ja auch keine Autobiographie, sondern eher eine Art Tagebuch – vom ersten Kennenlernen bis kurz nach dem ersten Album. Es beleuchtet auf der einen Seite die ganze Bandentwicklung inklusive der Backstage-Geschichten und auf der anderen Seite die Musikindustrie und wie das da alles so abläuft. Es geht nicht nur um Cro, sondern auch „um den ganzen Rest“. Und wenn Carlo irgendwann Bock hat eine Biographie zu schreiben, dann hat er in zehn Jahren noch viel mehr zu erzählen.

Habt ihr das Buch eher für den allgemeinen Fan oder für Musikschaffende geschrieben?

Basti: Es ist natürlich für Fans sehr interessant, da viele Sachen erzählt werden, die man so noch nicht wusste. Und sicher ist es auch besonders spannend das alles quasi aus erster Hand zu bekommen. Viele Fans waren bei bestimmten Situationen ja auch dabei – wenn sie Cro auf einem Konzert gesehen haben oder im TV. Aber für Musikschaffende ist das sicher auch interessant, auf jeden Fall.

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Eigentlich habt ihr da ja einen audiovisuellen Roman erschaffen. Auf den Fotos konnte man nicht nur Bastis Bart beim wachsen zusehen. In jedem 2. Kapitel findet sich auch der Vermerk „Celo & Abdi Voice“. Hatte der Sprecher eures Hörbuches damit ein Problem?

Basti: Also es gibt ja ein Hörspiel und ein Hörbuch. Ersteres ist von uns selbst gesprochen. Das ist mit Soundeffekten unterlegt und auch inhaltlich etwas anders, weil wir von einem Erzähler durch die Geschichte geführt werden und frei sprechen. Das Hörbuch hingegen wird 1:1 gelesen von den deutschen Synchronstimmen von Johnny Depp, der macht Psaiko, und Heath Ledger, das bin dann ich. Die Jungs haben mich vorher angerufen und eine Liste geschickt mit Wörtern, die ich ihnen aufs Band sprechen sollte, damit sie wissen, wie sie die aussprechen sollen.

Psaiko: Echt jetzt!?!

Ich: Und da war „Ja Ja Ve Ve“ bestimmt auch dabei…

Basti: Auf jeden Fall. „Psaiko Dino“ war da sogar dabei. Und bezüglich der „Celo- & Abdi-Voice“ haben sie gefragt, ob sie das wie im Song aussprechen oder nur vorlesen sollen. Die haben richtig recherchiert vorher.

Wir haben erfahren, wie aus dem Panda auch easy hätte ein Eisbär werden können. Gibt es auch eine Zeit nach der Maske?

Basti: Also Carlo wird die Maske nicht ablegen. Das ist ja sehr angenehm für ihn und bringt Vorteile. Er kann deswegen z.B. immer noch entspannt einkaufen gehen, ohne erkannt zu werden. Das ist schon ein hohes Gut, was andere Künstler seiner Größe nicht haben und das weiß er auch sehr zu schätzen.

Psaiko, für dich ist es ok, dass du dafür erkannt wirst?

Psaiko: Völlig ok. Das ist ja auch noch alles im Rahmen. Es ist natürlich schon etwas anderes, ob du im Club von Besoffenen angequatscht wirst oder tagsüber in der Stadt. Aber wie gesagt, dass ist schon noch völlig ok alles.

Ihr stellt das Buch auf der Frankfurter Buchmesse vor. Was ist danach geplant? Wird es eine Lesereise inkl. Showact geben?

Basti: Wir würden gerne eine Lesereise machen und planen das gerade. Auf dem Reeperbahn Festival haben wir ja zum ersten Mal aus unserem Buch vorgelesen und schnell gemerkt, das wir noch üben müssen. Ich war auf jeden fall aufgeregt und wir haben viel gekichert. An beidem lässt sich noch arbeiten. Im November/Dezember findet jetzt ja erstmal die Mello Tour statt, also müssen wir gucken, wie schnell wir das hinbekommen.

Und jetzt? Ist Teil 2 schon in Planung? Wie geht`s weiter mit eurer Autoren-Karriere?

Psaiko: Also tatsächlich haben wir uns neulich erst darüber unterhalten und können uns schon vorstellen, dass da noch was kommt. Etwas völlig Fiktives ist genau so denkbar, wie irgendwann ein zweiter Teil. Ich hätte auf jeden Fall Bock, so was noch mal zu machen.

Basti: Ich auch. Aber was ich viel anstrengender fand als das ganze Geschreibe, waren die Verhandlungen mit dem Verlag. Es ist halt auch ein ganz anderes Geschäft, eine ganz neue Welt mit anderen Regeln und Strukturen. Aber Bock hätte ich auf jeden Fall. Einen zweiten Teil vielleicht nicht unbedingt, denn irgendwann wiederholt sich alles und die 10. Echo Party ist dann einfach die 10. Echo-Party.

Eine Frage noch zum Schluss: „Easy does it“ ist ja nun auch eine Berliner Produktionsfirma. Gab es zu dem Titel einen Austausch?

Basti: Es ist ja vor allem ein Eazy-E Zitat das wir für die Plakatierungskampagne von „Raop“ schon benutzt haben. Wir haben da überhaupt nicht an die Jungs gedacht, sondern es passt halt einfach zu gut. „Easy“ war der Hit, bei dem mit Cro alles anfing und „Easy duz it“ ist der Rap-Klassiker. Von daher: perfekt.

„Easy does it“ erhaltet ihr ab sofort als Hardcover, Hörbuch oder Hörspiel – zum Beispiel hier.

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Über den Autor

Sophie Krause Die 29jährige zugezogene Brandenburgerin mit Kodderschnauze und Speckgürtel-Dialekt, arbeitet nicht nur an der Fertigstellung ihres Romans, sondern schreibt auch mit großem Vergnügen über die Liebe an und in der Hauptstadt. Musik, Fashion, Party`s, Art - you name it.

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