Das unbequemste Auto der Welt

13.11.2014
Willy
Stuff, Web

Irgendwie verkehrte Welt: In Italien fährt die Polizei mit einem Lamborghini Gallardo Streife. Mit seinem V8-Motor geht es in 2 Sekunden von 0 auf 100 km/h auf Ganovenjagd. Auch in Großbritannien greift die Polizei zu Rennwagen, hier ist unter anderem der Lotus Elise im Einsatz. Das Leichtbau-Modell, das in den Straßen von Norfolk für Recht und Ordnung sorgt, ist sogar mit goldenen Felgen und blauen Bremssätteln farblich abgestimmt. Auf der Auto Mobil International in Leipzig wurde zuletzt ein getunter 1er BMW präsentiert. Hinter der Kampagne „Tune it safe“ steht das Bundesverkehrsministerium in Zusammenarbeit mit dem Verband der Automobil Tuner (VDAT). Dabei steht das sichere Tuning von Autos im Vordergrund, was der aufgepimpte Einsatzwagen eindrucksvoll präsentiert. Mehr zur Ausstattung des Polizei-BMWs hat das Magazin auto motor und sport bereitgestellt.

Jetzt aber zurück zur verkehrten Welt. Während Gesetzeshüter auf moderne Sportwagen setzen, werden umgekehrt ausrangierte Einsatzwagen an Privatpersonen verkauft, die diese wiederum für ihre persönliche Zwecke umbauen. Polizeiautos, Krankenwagen, Feuerwehrfahrzeuge – die robusten Modelle erfreuen sich wachsender Beliebtheit und man sieht immer häufiger ausgediente Modelle in privater Hand über die Straßen fahren. Neben alten Polizeibullis sind es vor allem Militärfahrzeuge, die etwa auf autoscout24.de häufig inseriert werden. Der Hype dahinter hat weniger militante, sondern eher pragmatische Gründe: Militärfahrzeuge sind einfach noch größer und robuster. Damit sind sie ein Paradies für Hobbybastler, die die ausrangierten Jeeps, Trucks und Kleinbusse völlig neu gestalten.

Zu den Liebhabern von Old- oder Youngtimern gesellen sich auch die Freunde von alten Allzweckfahrzeugen. Denn auch hier gilt: je älter das Modell, desto unkomfortabler wird’s. Der Jeepvorgänger des Herstellers Willys-Overland MB ist so ein Beispiel für spartanisches Fahren. Er hat keine Türen, keine Scheibenwischer, keine Heizung, kein Dach und die Sitzbank ist eine Metallablage mit einem hauchdünnen Überzug. Selbst für die Zeit, in der der Willys MB herauskam (1940), war der Komfort schon dürftig. Hinzu kommt noch ein fehlender Bremskraftverstärker, eine Drei-Gang-Schaltung, dafür aber eine eigene Anzeige für Öldruck, Volt und Wassertemperatur. Gerade letztere ist aber im Grunde überflüssig, denn wenn der Willys eines ist, dann robust – zu heiß kann dieser Jeep-Oldie nicht werden. Während heutige Einsatzkräfte auf aktuelle Modelle zurückgreifen finden die archaischen Einsatzwagen bei Sammlern und Bastlern ein zweites Zuhause.

Tatsächlich ist die Mutter aller Jeeps gar nicht so unbequem, wie es die Ausstattung vermuten lässt. Es ist keine Rüttelpartie, dafür sorgen starke Blattfedern. Dick in Kleidung eingepackt vermisst man sogar die Heizung nicht wirklich. Das Speichenlenkrad lässt sich leichter drehen als das so mancher PKW ohne Servolenkung. Trotzdem, spätestens nach 100 km im Willys weiß man den Komfort eines moderneren PKW mehr denn je zu schätzen.

Let's go Girl

Bildrechte: Flickr Let’s go Girl Jamie CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Über den Autor

Willy Dr. Lima

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