Internationale Pressevorstellung der BMW S1000RR 2015 auf der Rennstrecke „Monte Blanco“ bei Sevilla

05.11.2014
Willy
Travel Machines

Mein Ausflug als Rookie in die Welt des Motorradrennsports

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Alles begann vor 3 Wochen, einem durchwachsenen Oktobertag in Deutschland. Arbeitstrott und 08/15-daily Business zeichnen den Alltag. Mit Demut blicke ich auf die letzten schönen Tage zurück, denn die Motorradsaison neigt sich für mich dem Ende zu. Doch plötzlich schnellte mein Puls auf 180 und Endorphine enterten meinen Körper – ich, selbst seit 10 Jahren begeisterter Motorradfanatiker, erhielt die Nachricht, dass ich auserwählt wurde, an der Internationalen Pressevorstellung, der im Frühjahr erscheinenden BMW S1000RR, vom 22.-24. Oktober 2014 in Sevilla teilnehmen zu dürfen.

Los ging es mit dem Flieger von Berlin (Regen, 9°C) über Palma nach Sevilla. Klar, mein Handgepäck war mein Helm. Schon beim umsteigen habe ich drei weitere deutsche Teilnehmer getroffen. Bei herrlichem 30°C-Sommerwetter angekommen, wurden wir „German Guys“ von freundlichen Hostessen in Empfang genommen, welche uns mit einem BMW Shuttle-Service zum erstklassigen Hotel Barceló Sevilla Renacimiento begleiteten.

Erstmal die Suite und das auf dem Bett liegende BMW Infomaterial begutachtet, mit dem strikten und sehr verheißungsvollen Ablaufplan. Kurz erfrischt ging es zum Begrüßungssnack in die Hotellobby. Hier trafen nach und nach schließlich dreißig Fahrer, Journalisten und Social Media-Leute aus Japan, Südafrika, Russland und den USA ein.

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Gemeinsam ging es auf ein von BMW gechartertes Schiff, der „Canal de Alfonso XIII“, Richtung Restaurant. Hier wurde uns ein erstklassiges 5-Gänge-Dinner serviert, bei dem sich erste ausgiebige Gespräche und Fachsimpeleien über die neue, heiß erwartete BMW S1000RR ergaben. Und ich als Rookie mittendrin in der Welt von Motorradcracks, Fahrzeugingenieuren, Designern und ehemaligen Rennprofis, welche uns als Instruktoren am nächsten Tag beiseite stehen sollten.

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Gegen Mitternacht waren wir zurück im Hotel und jeder ging direkt ins Bett, um mit klarem Kopf und geschärften Sinnen für den nächsten Tag gewappnet zu sein. Gestärkt mit einem umfangreichen Frühstück ging es um 8:00 Uhr via Busshuttle zur Rennstrecke „Monte Blanco“ bei Sevilla.

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Mein Puls wurde von Minute zu Minute schneller und das Adrenalin machte mich hellwach, als wir auf die von BMW gemietete Rennstrecke blickten. Sofort ging es in die Boxengasse und nun war dieser Moment gekommen, den jeder Motorradfahrer nachvollziehen kann. Mein Herz machte Freudensprünge, als ich die in Reih-und Glied aufgestellten, frisch aus dem Werk, auf Hochglanz polierten BMW S1000RR’s – 15 an der Zahl – sah.

Doch bevor es zum ausführlichen Testen der Maschinen ging, bekamen wir Teilnehmer ein Briefing mit allen notwendigen Rennstreckendetails und das Wichtigste: Die Präsentation von BMWs Sportlerflaggschiff.

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Bei der S1000RR 2015 ist so gut wie kein Stein auf dem anderen geblieben. Den neuen Auspuff erkennt man auf Anhieb. Dass die asymmetrischen Scheinwerfer die Seiten gewechselt haben und einen größeren Lufteinlass flankieren, auch. Und das Heck wurde schnittiger. Doch sind auch Motor samt Peripherie, Chassis, Federelemente und Elektronik kräftig überarbeitet. BMW verspricht weniger Gewicht, mehr Wendigkeit und Speed auf der Rennstrecke. Noch mehr Kraft, kräftigeres Drehmoment, mehr Spitzenleistung. Wobei sich BMW typisch in vornehmer Zurückhaltung übt und den Leistungszuwachs von 193 PS auf 199 PS beziffert. In Wirklichkeit werden es wohl knapp über 200 PS sein. Grundsätzlich wurden Fahrmodi und elektronische Helfer feiner abgestimmt. In dem uns bereitgestellten optionalen Race-Paket stehen fünf Fahrmodi (Rain, Sport, Race, Slick und User) zur Verfügung. Serienmäßig gibt es ABS und die Stabilitätskontrolle ASC. Des Weiteren gibt es eine Launch-Control, Boxengasen- Limiter, 15-stufige Traktionskontrolle DTC mit Schräglagensensor. Das neue Cockpit nutzt dabei die Daten der Sensorbox, um neben maximalem Bremsdruck und Drehmomentreduktion die gefahrene Schräglage anzuzeigen. Im Usermodus kann der Pilot dazu seinen Spieltrieb ausleben und sein eigenes Setup-Menü zusammenstellen. Ein besonderer Clou für mich war der neu entwickelte Schaltautomat Pro. Dieser ermöglicht sowohl das Herunterschalten sowie das Heraufschalten ohne kuppeln. Gegenüber der alten RR, bei der Gaszüge zu einem Stellmotor führten, kommt nun ein reiner E-Gasgriff zum Einsatz. Das heißt: keine Bowdenzüge mehr, ein Sensor nimmt die Bewegung des Gasgriffs nun auf.

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Theorie hin oder her, alle wollten auf die Rennstecke. Die dreißig Mann große Testfahrergruppe wurde in Gruppe A und B aufgeteilt. Ich schlüpfte in meine Lederkombi und wurde durch den erfahrenen BMW-Motorradtester Armin Scherdan in meine Maschine eingewiesen. Die Bedingungen waren erstklassig, der Asphalt und die Reifen vorgewärmt. Der erste der 5 Turns á 20 Minuten begann. Bei dem Gedanken an die 200PS und den 200kg schweren „Höllenbock“ unter meinem Hintern raste mein Herz und meine Hände wurden feucht. Aber alles halb so wild, Armin fuhr vor und bestimmte Tempo, Ideallinie und dirigierte mit Handzeichen mit welchem Gang man die jeweilige Kurve zu nehmen hat. Die S1000RR machte es mir einfach: die Wheelie-Kontrolle holte das Vorderrad immer wieder sacht auf den Boden zurück.

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Sanfte Gasannahme und die früh, aber smooth reagierende Traktionskontrolle gaben mir die nötige Sicherheit. Agil fährt die BMW durch enge Schikanen und lenkt willig ein, wie ich es bisher noch bei keinem anderen Motorrad erlebt habe. Nach Beendigung des ersten Turns schmerzten meine Handgelenke und meine Kräfte schwanden. Grund dafür war meine aus dem Straßenverkehr gewohnte Sitzposition. Armin Scherdan half mir mit Trockenübungen als Vorbereitung für den zweiten Turn. Und siehe da, schon konnte ich ohne Kraftaufwand und völlig schmerzfrei das 200PS- Geschoss über den Kurs feuern. Ab 5000/min schiebt der Vier-Zylinder gnadenlos an, bis bei circa 14.200/min sanft der Begrenzer einsetzt. Die neue 3kg leichtere Auspuffanlage untermalt das Anreißen mit einem böse grummelnden Ton. Mit zunehmender Drehzahl steigt auch der Sound exponentiell ins Unermessliche. Durch das automatische Zwischengas beim Herunterschalten knallt es herrlich schön aus dem Auspuff. Wie die BMW-Ingenieure das StVO-Konform hinbekommen haben ist mir ein Rätsel. Sei‘ s drum, es hört sich einfach nur geil an.

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Die S1000RR faszinierte mich auch beim Bremsen. Am Ende der Start-Ziel, bei etwa 270km/h auf der Uhr, bremste ich „gefühlt“ innerhalb von 100 Metern (es waren sicher mehr) auf 65km/h zurück, um die Spitzkehre zu nehmen. Dabei half mir das ABS von Conti keinen schwarzen Strich zu ziehen. Nach drei Turns war Halbzeit und es wurde zum Essen geladen. In der Zwischenzeit zogen die BMW-Techniker Slickreifen und 3,5kg leichtere Schmiederäder auf die Maschine. Gestärkt konnte es nun ans Eingemachte gehen. Die ersten drei Turns gaben mir die Sicherheit die BMW im Slickmodus bis an die physikalische Haftungsgrenze der Reifen zu bringen. Überwältigt von der brachialen Kraft der RR, geflutet von Adrenalin und Endorphinen, neigte sich eine atemberaubende Testfahrt dem Ende. Nun durfte ich die weiteren Angebote der Veranstalter wahrnehmen. Dazu gehörte ein Car-to-Bikeride-Fotoshooting, wobei ich aus einem 535d Kombi von einem Kameramann fotografiert wurde. Außerdem durfte ich anschließend selbst ein Video drehen und eine, mit einer GOPro präparierten S1000RR über die Rennstrecke jagen.

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Erschöpft, aber glücklich ging es via Shuttle zurück ins Hotel. Nach kurzer Erholungspause ging es mit E-Bikes von BMW und einem Tourguide zum Sightseeing durch Sevilla. Dabei genossen alle Teilnehmer das südländische Flair, die maurische Architektur und die Kultur Andalusiens. Vor dem Rückweg kehrten wir in ein berühmtes Café im Künstlerviertel El Macarena ein.

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Am Abend nahmen wir mit passendem Dresscode am Abschlussdinner mit Music Act unter freiem Himmel im Hotelgarten teil. Begleitet von andalusischen Spezialitäten und Getränke hielt die RR die Gespräche bis nach Mitternacht am Laufen und eröffnete mir Möglichkeiten neue Kontakte zu knüpfen.

Mit Wehmut packte ich am nächsten Morgen meine Sachen. Das BMW-Team verabschiedete alle Teilnehmer und überreichte Film- und Videomaterial. Sicher und unkompliziert ging es in das herbstliche Deutschland zurück.

Noch lange werde ich mich an diese ereignisreichen Tage zurückerinnern. Am liebsten hätte ich natürlich einen Kaufvertrag für die S1000RR unterschrieben. Sie lässt sich nämlich auch auf der Landstraße und im Alltag leicht bewegen. Doch um ihre schier unendliche Kraft voll zu nutzen braucht man definitiv eine Rennstrecke. Denn mit 300km/h über die Autobahn zu ballern ist langweilig und zu gefährlich.

Ein herzliches Dankeschön spreche ich an BMW Motorrad Deutschland aus, für die perfekt organisierte Pressevorstellung und an Armin Scherdan, welcher mir sein geballtes Know-how vermittelt hat und von dem ich Kniffe und Techniken für meine privaten Motorradausfahrten mitnehmen konnte.

Herzlichen Dank an meinen Freund Willy Iffland mit seinem Lifestyle-Blog „Dressed Like Maschines“ – Du hast alles eingefädelt und ohne Dressed Like Maschines wäre ich niemals in den Genuß von diesem Trip gekommen! Danke!

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Über den Autor

Willy Dr. Lima

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