Niemand hat die Absicht ein Interview zu führen: Johnny Rakete, Gold Roger und Veedel Kaztro im Interview

18.5.2015
wolfenwax
Interviews, Music

Wofür die Leute alles keine Absicht haben: Mauern bauen, auf Tour gehen, Interviews führen. Das neue dynamische Trio des aufstrebenden jungen deutschen Sprechgesangs, bestehend aus Johnny Rakete aus Fürth, Gold Roger aus Dortmund und dem Kölner Jung Veedel Kaztro, hat mit seiner ersten gemeinsamen Tour dieses Jahr und ihrem darauf einstimmenden, von HawkOne produzierten Tourtrack „Niemand hat die Absicht“ ordentlich für Furore gesorgt. Anlässlich ihres Tourstops in der Panke in Berlin-Wedding traf ich die drei sympathischen jungen Herren an der Bushaltestelle Nettelbeckplatz (sic!) zum Interview.

mpm1

Eure Debüt-Releases sind jetzt jeweils ein bis zwei Jahre her bzw. der Punkt, an dem man das erste Mal richtig etwas von euch gehört hat: Wie würdet ihr euren Weg bis hier beschreiben? Jeder mit einem gewissen Bekanntheitsgrad, gemeinsam auf Tour, vielleicht auch eine Erwartungshaltung, die damit einher geht?

Gold Roger: Ich bin mal so frei und antworte für alle, denn es ist nämlich so: Veedel hat vier Alben geschrieben, Rakete hat zwei EPs geschrieben und damit gut Bass gemacht und ich habe im Endeffekt einen Internethype. [alle lachen] Also er (Veedel) hat’s am meisten verdient, er (Johnny Rakete) hat’s verdient und…ich auch!

Johnny Rakete: Gold Roger ist Mitläufer! [alle lachen]

Veedel Kaztro: Es ist so, ich brauchte erst mal vier Stück – obwohl, das vierte ist noch nicht draußen, aber nach dem zweiten ist ein bisschen was passiert und jetzt grade passiert wieder was, mit der Tour vor allem. Obwohl die Tour nicht damit zusammenhängt, die ist nicht abhängig von irgendwelchen Releases, die kommen erst danach, aber die pusht auf jeden Fall gerade auch nochmal ein gutes Stück. Und dass das scheinbar funktioniert, finde ich auch sehr schön.

Johnny Rakete: In diesen zwei Jahren ist schon sehr viel passiert. Vor zwei Jahren war ich nicht einmal ein Internethype und jetzt spiele ich eine Tour mit zwei guten Freunden vor relativ vielen Leuten und das ist so schon eine schöne Sache. Zeigt mir auf jeden Fall, dass es das wert ist, Arbeit in diese Mucke zu stecken.

Gold Roger: Ich hab übrigens keinen Internethype, ich hab ein Jahr lang konsequent und viel Musik gemacht und hab mir das schon verdient… 

Johnny Rakete: …und das Drake-Album geschrieben!

Gold Roger: …aber ich hab vorher so keine Musik gemacht und jetzt bin ich am Start. [lacht]

 

Der Tourtrack – den ich nebenbei sehr nice finde – „Niemand hat die Absicht“ auf einen Beat von HawkOne: Johnny, du hast ja schon mit ihm zusammengearbeitet, wie schaut’s bei euch beiden so aus? Gab’s da schon vorher eine Connection, gibt’s jetzt eine Connection, dass ihr sagt, ja, hab ich Bock drauf, das weiterzuführen?

Gold Roger: Ich hab zwei Tracks mit HawkOne, einmal ein Remix von „Schiene der Geschichte“, den hat er produziert und einmal „A.D.I.L.E.T.T.E.N.“, das ist glaube ich mein bekanntester Track bei YouTube. Den hat auch HawkOne produziert, ja, sehr schöner Mann! [zustimmendes Lachen allerseits]

Veedel Kaztro: Also ich hab HawkOne erst heute hier in Berlin kennen gelernt, er hatte mir aber tatsächlich schon ein paar Beats geschickt vor ein paar Monaten, aber ich hab es nicht geschafft, davon was zu picken. Nicht, dass die nicht mega übertrieben übelst geil gewesen wären, aber ich hab’s tatsächlich einfach nicht geschafft. Aber ich feier den schon auch extrem! Und jetzt, wo ich ihn kennen gelernt hab, find ich ihn auch sehr sympathisch. Nicht nur seine Beats sind unnormal gut, er scheint auch ein sehr netter Mensch zu sein.

 

Ihr habt jetzt gerade von euren anstehenden Releases gesprochen, die nach der Tour kommen. Ihr seid jetzt alle bei Melting Pot Music gesignt, oder?

[Tumult, Stimmengewirr, Fingerzeige auf Johnny Rakete]

Unisono: Nee, er/ich nicht! [lachen]

Johnny Rakete: Äh, nein, ich bin nicht bei Melting Pot, das ist aber auch echt ok so…

Gold Roger: Ist besser so! [Lachen] Für dich! [lauteres Lachen]

Johnny Rakete: …also meine Labelheimat ist ja so gesehen „Wir sind Alles“, wenn man das so sehen will, aber wenn die Jungs nicht wären, wäre Melting Pot auf jeden Fall die erste Adresse, bei der ich mich melden würde, weil das sehr, sehr gute und anständige Jungs sind. Die Jungs sind mir sehr, sehr ans Herz gewachsen, so dass es auch irgendwie Familie geworden ist, daher gibt’s diese verschiedenen Labels eigentlich nur in unseren Köpfen. „Wir müssen die Gedanken in unseren Köpfen sprengen“… [alle lachen ob des hochtrabenden Wortlauts] …dann gibt es da ja auch eigentlich keine Hürden. Es ist eine sehr gute, sehr schöne, sehr freundschaftliche Zusammenarbeit.

Veedel Kaztro: Also ich finde es sehr schön, bei Melting Pot gesignt zu sein, ich steige in die Linie 5 Richtung Butzweiler Hof, vom Heumarkt aus, dann bin ich innerhalb von sieben Minuten da, ohne einmal umzusteigen! [lacht] Wir telefonieren relativ häufig und wenn irgendwas ansteht, fahr ich eben, wie gesagt, einfach vorbei und das ist dann eben eine sehr angenehme Zusammenarbeit…“Arbeit“ in Anführungsstrichen. Obwohl, für Olski natürlich schon, für mich ist das nur Mucke machen. [lacht] Aber ich find’s sehr schön da. Danke, ist super!

Olski: Genug geschleimt!

Gold Roger: Ich saß auf’m Beat BBQ und dachte: „Ich wär gerne bei Melting Pot.“ Und fast genau ein Jahr später war ich dann bei Melting Pot…

Johnny Rakete: POW!

Gold Roger: …also wurde wirklich ein Traum von mir wahr.

Olski: Einziges Problem: Seitdem gibt’s kein Beat BBQ mehr…[allgemeines Lachen]

Gold Roger: Ja, seitdem gibt’s kein Beat BBQ mehr…

Olski: Das war der Preis dafür, nichts ist umsonst bei diesem Label! [lacht]

Gold Roger: …jetzt hassen mich alle! [lacht]

Das führt mich dann auch gleich zu einer kleinen Folgefrage: Ihr habt ja bei Melting Pot mit die innovativsten und in meinen Augen auch stärksten Produzenten Deutschlands am Start – gibt’s da außerhalb von dieser Produzentenriege irgendjemanden, mit dem ihr liebend gerne mal zusammenarbeiten würdet? Also, wenn ihr es euch raussuchen könntet, deutschlandweit oder gerne auch international, euer Wunschproduzent quasi.

Veedel Kaztro: Bushido als Produzent auf jeden Fall, den find ich extrem geil, muss ich sagen. 

Johnny Rakete: Wenn ich es mir raussuchen dürfte, ich würde mir gerne von Havoc anno 1998 einen Beat bauen lassen.

Gold Roger: Nene, nur aus Deutschland! [Stimmengewirr]

Johnny Rakete: …achso, nur aus Deutschland. Na dann würde ich unglaublich gerne einen Beat von Suff Daddy haben. So ein Beat von Suffi wär sehr sehr schön.

 

Das hat Fashawn am Mittwoch interessanterweise auch als Erstes gesagt!

Johnny Rakete: Ja? Big up an Fashawn, er hat einen sehr sehr guten Geschmack! Also Suff Daddy, falls du das lesen solltest…

Gold Roger: Macht er nicht. [allgemeines Lachen]

Johnny Rakete: …ich bin auf jeden Fall sehr großer Fan.

Gold Roger: Hm. Bei mir, ja, viele. [lacht] Dexter. Achso, außerhalb der MPM-Schiene? Na, dann zählt Suffi aber auch nicht, hehe. Ähm, The Krauts (Anm. d. Verf.: „Ding“ von Seeed, „Lila Wolken“ von Marteria etc.)

 

Wie kam’s denn jetzt eigentlich zu dieser Dreier-Konstellation? Ihr kommt ja, geographisch gesehen, nun wirklich aus verschiedenen Ecken.

Gold Roger: Ich kannte Johnny schon vorher und Veedel eben, weil wir auf einem Label sind. Und dann saßen wir da und dann haben wir überlegt und dann hab ich gesagt: Bruder, lass 1 Tour machen mit Gold Roger, Johnny Rakete und Veedel Kaztro und dann hab ich gesagt ich will den Burger mit doppelt Fleisch und Käse und so. So war das wirklich. [lacht]

Johnny Rakete: Keine Ahnung, also Gold Roger und ich sind Homeboys, Goldie und Veedel Labelkollegen…

Veedel Kaztro: …und Homeboys!

Johnny Rakete: …und Homeboys. Veedel und ich mittlerweile auch Homeboys. Cheah!

[High Fives und Check-Boxe werden ausgetauscht]

Johnny Rakete: Ja und deswegen hat das auch alles gut gepasst! Jeder mit einem eigenen Style, aber alles passt irgendwie schön zusammen, da hat sich das angeboten.

Veedel Kaztro: Tatsächlich drei sehr unterschiedliche Sachen, finde ich, auf der textlichen Ebene jedenfalls. Auf der „beatlichen“ Ebene … ähm, naja, auf der Beat-Ebene [lacht] auch teilweise. Wir haben auf jeden Fall Überschneidungen, was die Beats angeht, inhaltlich auch, aber es passt auf der menschlichen Ebene auf jeden Fall, glaub ich. Also da am Ehesten.

Johnny Rakete: Seh’ ich auch so.

Wenn ihr euch selber einschätzen solltet, sowohl musikalisch als auch bezogen auf eure eigenen raptechnischen Vorlieben, mal polemisch ausgedrückt: RapUpdate oder Feuilleton?

Gold Roger: Feuilleton. Feuilleton – Feuilleton – RapUpdate. (deutet auf sich, Veedel und Johnny) [alle lachen]

Johnny Rakete: Haha, ja, ich glaube, ich bin da irgendwo dazwischen. 

Gold Roger: Digga, du hast vorhin original zu mir gesagt: „Du kannst nicht immer so schlaue Sachen sagen, sonst verstehen dich deine Hörer nicht!“ [massives allgemeines Lachen]

Johnny Rakete: Nein, nein, so hab ich das nicht gesagt! Ich hab gesagt, sonst verschließt du dich so gesehen einer gewissen Masse an Leuten, die halt einfach nicht deinen Wortschatz teilen.

[Johnny lässt den von mir gebauten herumgehenden Joint fallen]

Johnny Rakete: Das war Karma! [lacht]

Gold Roger: „Mit wem DIESER Rapper einen Joint geraucht hat, werdet ihr nie ahnen!“

Johnny Rakete: Max Herre! [alle lachen]

Gold Roger: Kilian, mach lieber RapUpdate, die Zeitungen sterben alle aus. Die haben eh mehr Klicks. [lacht]

 

RapUpdate ist die Zukunft, da sind sich hier scheinbar alle einig. Lest ihr auch RapUpdate?

Johnny Rakete: Nein.

Veedel Kaztro: Ich lese immer die Überschriften bei Facebook, aber ich klicke da nie drauf.

 

Das sagst du doch jetzt auch bloß, weil ein Band mitläuft. 

Veedel Kaztro: [lacht]

Gold Roger: Nee, ich lese das auch nicht.

Johnny Rakete: Ekelhaft…

Okay, das wäre geklärt und führt mich zu meiner nächsten Frage: Social Media – wenn man mal eine gewisse Anzahl an Followern hat, kommt ja relativ schnell eine Personenanzahl zusammen, die einem als potentielle oder auch echte Fans angegeben werden. Feiert ihr die Interaktion mit den Fans oder ist das für euch eher lästig, dass sich manche Leute vielleicht ständig einmischen wollen in irgendeiner Form?

Johnny Rakete: Also bei mir spielt das sogar eine verhältnismäßig große Rolle, obwohl ich jetzt gar nicht so gezielt zuhause sitze und mir denke, für Likes und Klicks irgendwas posten zu müssen. Stattdessen benutze ich meinen Johnny-Rakete-Account einfach mehr als meinen privaten Account und verballer da halt den ganzen Schwachsinn, der mir so einfällt. Es ist schon verrückt, ich poste halt allen möglichen Quatsch, der halt auf meiner privaten Seite wirklich keinen Menschen zu interessieren scheint. Auf der Rakete-Seite funktioniert das wunderbar.

Klar, wir als Rapper im Zeitalter von Facebook sind da in gewisser Weise natürlich auch angewiesen auf dieses Online-Ding und wenn man dadurch eben mehr Leute mit seiner Musik erreichen kann, finde ich das auch legitim, das dafür zu nutzen. Das kann man eben auf verschiedene Art und Weise tun und bei mir scheint das bisher echt gut zu funktionieren, ohne, dass es mir irgendwie lästig ist.

Veedel Kaztro: Ich habe die meisten meiner Fans tatsächlich in Köln auf Techno-Parties getroffen. [lacht] Das ist auf jeden Fall echt lustig, die sind dann immer sehr … bewegt. [kichert] Ich nehme das dann dort auch immer dankend an und meistens gehen wir mit einer Umarmung aus dem Gespräch raus und sagen „Bruder, danke dafür!“. [lacht] Auf Facebook macht sich das natürlich bemerkbar und das ist schon auch mega nice, aber mir ist das lieber, wenn man sich da wirklich persönlich trifft und sieht und rein zufällig dann so eine schöne Begegnung hat.

Gold Roger: Ich für meinen Teil schreibe auch immer zurück, wenn mir Leute private Nachrichten schreiben. In den meisten Fällen jedenfalls, hehe. Ich schreibe nicht zurück, wenn mir einer Musik schickt oder sowas, da hab ich keinen Bock drauf. Ich feier das schon sehr, wenn sich Leute eben auch ein bisschen für mich interessieren und nicht nur für meine Mucke. Twitter versteh ich noch nicht so wirklich, ich weiß nicht, was ich da posten soll.

Johnny Rakete: Ich auch nicht!

Gold Roger: Instagram hat mich Timo (Milbredt) draufgebracht, dass ich da mal was posten sollte und bin da relativ [lacht] aktiv. Ich mag Social Media, aber ich mag Musik viel mehr und es ist viel wichtiger, dass es auch um Musik geht und nicht nur um Social Media, weil ich finde, man ist halt nicht nur Content.

 

Jetzt mal in Bezug auf die potentielle ständige Interaktion: Vielleicht habt ihr das mit Haftbefehl mitbekommen, bei dem seine Fans aus irgendeinem Grund die Kommentarspalten der BILD bei Facebook mit Beleidigungen

vollspammen sollten. Meint ihr, das tut der Szene gut oder sorgt das Ganze nur für eine weitere Boulevardisierung?

Veedel Kaztro: Naja, es ist auf jeden Fall eine gewisse Macht, die derjenige dann hat, wenn das halt mal eine Followerschaft von 100.000 oder einer Million Menschen ist. Wenn er die dann für gute Zwecke einsetzt, ist das schon eine gute Sache. BILD-Zeitung bashen zählt da schon auf jeden Fall mit rein, das finde ich ganz geil! [lacht]

Johnny Rakete: Ja, ich finde das auch gut. Man kann das natürlich auch falsch nutzen, aber grade so BILD, kann man mal machen.

Veedel Kaztro: Ich glaube, einer hat das mal bei diesem Musikshop Müller gemacht und das hatte dann irgendwie auch rechtliche Konsequenzen, kann das sein? Weiß das einer von euch genau?

Gold Roger: Nee, leider nicht. Aber ich finde das persönlich genau so doof wie damals, als Staiger diese Review geschrieben und dann von Blokkmonsta auf die Fresse bekommen hat. Stell dir vor, du machst ein Interview mit jemandem und der kommt dann scheiße weg und sagt dann „Der ist ein Hurensohn, komm, lass dem aufs Maul hauen!“. Und dann posten die deine Adresse oder was im Internet oder klingeln bei dir…das hat auch so psychomäßig echt Potential, wenn da mal so ein Internet-Mob losgelassen wird auf jemanden. Weil viele Leute halt auch doof sind und so ne Scheiße dann mitmachen. Wenn dann allerdings jemand sagt „Los, boykottiert die BILD“, oder „Wählt morgen auf keinen Fall CDU“ oder „Blockiert morgen eine NPD-Demo“, dann ist das sehr nice.

 

Wenn wir schon so bei Boulevardisierung und der damit einhergehenden Kommerzialisierung des ganzen Games sind: Ihr habt ja eine(n) verhältnismäßig kleine(n) digitale(n) Fanbase/Reichweite/Einzugsbereich…

Gold Roger: Schön gesagt! [alle lachen]

 

…im Gegensatz zu „Hip-Hop“-Artists wie Kay One, dem aus irgendeinem Grund zweieinhalb Millionen Leute folgen. Jay-Z etc. standen ja wegen dieser ganzen #TIDAL-Geschichte auch in der Kritik, dass sie ihre Followerschaft nicht beispielsweise auch bei #blacklivesmatter oder #icantbreathe eingesetzt und aufgerüttelt haben, sondern lediglich ihre finanziellen Interessen supportet haben.

Findet ihr, dass mit einer solchen Anzahl an Fans auch eine gewisse Verantwortung nicht nur der Szene sondern eben auch der Gesellschaft im weitesten Sinne gegenüber einhergeht oder wie gestaltet sich in euren Augen ein veranwortungsvoller Umgang mit einer Szene wie dem Hip Hop, wo viele der Hörer eben zwischen 13 und 18 sind?

Veedel Kaztro: Also man muss halt immer bedenken: Für einen selbst ist das vielleicht ein Klick, ein Post, einmal Teilen, ein kurzer Satz, aber wenn man eben wirklich so viele Leute damit erreichen kann und auch erreicht, sollte man sich aber immer dessen bewusst sein, was man da schreibt und Unklarheiten oder Missverständnisse vermeiden und genau überlegen. Es ist halt eine Sache, ob ich jetzt wie hier mit vier Leuten rede und meine Meinung von mir gebe, oder ob ich was schreibe, was eine Million Fans erreicht.

Gold Roger: Ich fand es zum Beispiel gut, dass sich Casper davon distanziert hat, dass auf PEGIDA-Demos „Der Druck steigt“ gespielt wurde und dann explizit geschrieben hat, dass er nicht möchte, dass das da läuft. Aber ich finde auch umgekehrt, ganz ohne irgendwelche Namen zu nennen, dass sich da auch ganz andere Rapper, die bei Majorlabels unter Vertrag stehen, sich viel stärker von irgendwelchem rassistischen oder gewalttätigen Gedankengut distanzieren könnten. Das aber dann bewusst nicht tun, um nicht irgendwie einen Teil ihrer Käuferschaft zu verprellen – was dann schon irgendwie ziemlich arm ist.

Veedel Kaztro: Ich glaube, Bass Sultan Hengzt hat neulich so ein Fake-Cover seines neuen Albums gepostet, auf dem zwei knutschende Männer drauf sind und hat dafür von seinen „Fans“ bei Facebook richtig heftige Kritik bekommen. Das, finde ich, ist irgendwie so ein ähnliches Prinzip wie solche Satireseiten wie „Hunde raus aus Deutschland“ und solche Sachen, wo durch gezielte Provokation die echten, ekelhaften Meinungen herausgelockt werden und mal aufgezeigt wird, wie viele Leute tatsächlich so ekliges Gedankengut haben. Das war auf jeden Fall ein cooler Move in meinen Augen! Ich weiß natürlich nicht, ob das ein reiner Promo-Move zu Werbezwecken war oder um ernsthaft herauszufinden, wie viele von den Leuten da wirklich homophob sind. Aber auf jeden Fall ‘ne gute Aktion.

Um jetzt nochmal zu eurem musikalischen Schaffen zurückzukommen: Es stehen ja für jeden von euch jetzt Solo-Releases an, die ihr vorhin schon angesprochen habt – wird diese Kollaboration jetzt irgendwie weiter gehen? Oder trennt ihr das ganz strikt à la: Das war jetzt dieses Tour-Ding, die Chemie stimmt, aber ich mache jetzt meinen Solo-Stuff oder hab nebenbei noch andere Projekte. Seht ihr das als etwas Etabliertes oder Etablierenswertes an, oder wie geht’s bei euch jetzt weiter?

Johnny Rakete: Also ich persönlich finde, dass das sehr sehr gut funktioniert und würde auch sagen, dass in der Konstellation auch weiterhin noch einiges geschehen wird. Wir verstehen uns musikalisch eben ganz gut und persönlich sowieso, dann wäre es ja Quatsch, das jetzt einfach zu beenden. Besonders eben, wenn man sieht, dass das auf Tour ja auch schön funktioniert. Deswegen, ich bin auf jeden Fall dabei!

Veedel Kaztro: Ich bin da auf jeden Fall auch dabei, ich finde das auch sehr gut. Wir werden mit Sicherheit auch noch Mucke zusammen machen und auch Konzerte gemeinsam spielen. Aber ich möchte trotzdem betonen, dass ich mich auch als Solo-Künstler sehe so [lacht| und auch weiter Solo-Alben mache, aber eben auch Kollaborationen. Und an dieser Stelle mag ich meine Kölner Crew mal grüßen, das ist die SektorWestBüdchenGang! Grade sind natürlich diese Jungs hier meine Crew, aber ich hab auch eine feste Heimat, sozusagen. Und das schon auch recht lange, DJ Densen ist da zum Beispiel auch dabei, so Leute, die ich eben schon hundert Jahre kenne. Nichts gegen die Jungs hier, aber ich hab zwei Familien quasi.

Gold Roger: [klebt einen SWBG-Sticker] Ja toll, Mann, ich muss hier deine Crew representen! [lacht]

Veedel Kaztro: Ja, mach das! Wir sind quasi so die nächste Generation des Kölner Hip Hop. Irgendwie. [lacht]

 

Das führt mich dann eigentlich auch schon zu meiner letzten Frage, die ich – zugegeben – bei meinem Liebling Jan Böhmermann geklaut habe, aber die auch die Jungs von Egoland schon sehr humorvoll zu beantworten wussten. Sido hat sie neulich im Neo Magazin Royale abbekommen und ihr jetzt eben an der Bushalte im Wedding: Würdet ihr eher, um euer Album zu promoten, eure Frau/Freundin schlagen oder euer gesamtes Vermögen an eine mafiöse, arabische Großfamilie abtreten?

[Die Crowd aus meinen drei Gästen, Olski, Timo Milbredt und weiteren dazu gekommenen Leuten aus der Szene lacht herzlich] 

Veedel Kaztro: Boah, das ist eine schwere Frage. 

Johnny Rakete: Auf jeden Fall, Diggi…

Gold Roger: [wie aus der Pistole] Frau schlagen.

[alle lachen]

Gold Roger: Ganz ehrlich, wenn ich jetzt meine Freundin anrufen würde und sagen würde: Ich hab jetzt die Wahl, entweder meine ganze Kohle zu spenden…

 

Aber du spendest ja nicht, Alter! [alle lachen] 

Gold Roger: …ok, entweder meine ganze Kohle jetzt und in Zukunft abzutreten, oder ihr ne Schelle zu geben und danach können wir in Urlaub fahren…

Johnny Rakete: Aber wenn du’s ihr nicht sagen darfst und du musst sie einfach klatschen, um dein Album zu promoten? [Gelächter]

Veedel Kaztro: Also ich würde die Kohle spenden, da ich eh nicht so viel Kohle habe oder mache, als dass das irgendwie ins Gewicht fallen würde. Ich hätte erst gesagt, dass ich meine Frau schlage, dass vielleicht nur eine Frau zu schaden kommt…Weil die würden das Geld sicher nutzen, um noch mehr Frauen zu schlagen! [lacht] Aber so viel Geld hab ich gar nicht, also würde ich das glaub’ ich spenden…

[Die Gruppe bemüht sich, Unklarheiten über den Unterschied von „Spenden“ und Generalvollmachten so wie das Schlagen von Frauen an sich auszuräumen; Es wird viel und laut gelacht] 

Gold Roger: Nee, immer noch Frau schlagen.

Johnny Rakete: Ich für meinen Teil würde mein Geld der Mafia-Großfamilie geben, weil Mutti würde mir eins auf den Deckel geben, wenn ich ‘ne Frau schlage. [lacht]

 

Das war die beste Begründung bisher! 

Johnny Rakete: Meine Mama hat mir das besser beigebracht, also: Mafia. For Life! [lacht]

 

Wunderschöne Worte zum Abschluss! Ich bedanke mich sehr für die ultra gute Zeit im Wedding und eine Woche später in der Suite15 in Regensburg und wünsche den drei Jungs mit ihren anstehenden Releases alles Gute!

Über den Autor

wolfenwax

Send this to a friend