The Machine Cast #67 by Oliver Huntemann

24.6.2015
wolfenwax
Music, The Machine Cast

OliverHuntemannMachineCast

Ticktacktechno-Time! Lang lang ist’s her seit wir eure Öhrchen und Tanzbeine mit neuen Klängen verwöhnt haben, doch nun hauen wir unseren neusten MachineCast raus, der euch um den Verstand bringen wird! Kein geringerer als Oliver Huntemann hat uns da eine schnickschnackschnieke Stunde gemixt, die man sich einfach im Dauerlauf anhören kann… denn Olivers Musik ist nicht nur durch und durch genial, sondern auch so episch und legendär, dass man sich regelrecht in die weiten flächigen wunderbar gestalteten Tonalitäten hineinhypnotisieren kann! Der DJ aus dem Norden schmeißt nicht nur Platten auf die Drehteller, sondern produziert am laufenden Band ein Schmuckstück nach dem anderen…

Um den Norden ranken sich seit der Stunde Null des Technos die hartnäckigsten Mythen. Und wie nur wenige Kinder des Nordens trägt Oliver Huntemann seit Ewigkeiten dazu bei, dass diese Mythen ein Körnchen Wahrheit in sich tragen. Natürlich
lebt auch er weder in einem verschneiten Wald noch am Rande des Eismeeres. Sogar in Hamburg scheint ab und zu die Sonne. Dennoch verbindet sich in Huntemanns Werk unterkühlte Reduktion auf eine Art mit effizienter Härte, die Bilder von Kühlhäusern, entseelten Maschinenparks und blauem Fleisch provozieren können. In seiner Musik flirren dann wahlweise Untertöne von German Engineering, bestechender Logik und grausamen Darwinismus: Übrig bleibt nur, was der Funktion dient. In “Heller als die Sonne” bezeichnet der englische Musiktheoretiker Kodwo Eshun die Heimatstadt von Kraftwerk, Düsseldorf, als das “Mississippi-Delta des Technos”; aus dieser Ursuppe mögen auch Huntemanns Tracks entstiegen sein, aber erst der hohe Norden hat sie für das Leben im Club gestählt. Das Ergebnis sind gradlinige Geschöpfe, die ihren Charme ohne Firlefanz und Mummenschanz zum Ausdruck bringen. Eine Londoner Geschmacksinstanz versuchte mal, der Natur seines skelettierten Sounds mit den Worten “bare and stripped back to the metallic core” beizukommen – Huntemanns Reduktion verendet nie in dünnem Minimalismus, sie dient der Konzentration auf den Kern. Weniges leistet Maximales. Der einzige Luxus ist etwas Schmutz.

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Während eine Heerschar deutscher Produzenten und DJs in einer beispiellosen Massenflucht nach Berlin geströmt sind, und noch immer strömen, kehrt Oliver Huntemann immer wieder in seine Heimatgefilde zurück. Sein Zentrum ist und bleibt der Norden, genauer Hamburg. Hier produziert er und von hier aus bereist er auch die Welt, um die Menschen mit seinen DJ-Sets hörbar zu euphorisieren – davon zeugt die Mix-CD-Serie „PLAY! live“. Darüber hinaus zeigt sich im Live-Mix, dass die Tonalität oder auch Gesamtästhetik seines Sets in letzter Konsequenz immer eine entsprechende Resonanz findet. Unabhängig von Ort und Raum erschließt sich seine Musik auf einer tieferen Ebene, jenseits aller bewussten Zugehörigkeiten und rationalen Zuschreibungen. Darum scheint hier auch das Publikum förmlich im Sound aufzugehen und stellenweise ein Call&Response-Spielchen mit ihm zu treiben – mehr kann sich ein DJ nicht wünschen.

Oliver Huntemanns konkreten Wurzeln finden sich im frühsten Elektro, wäre er etwas jünger, hätte er die Elektronik zusammen mit der Muttermilch aus dem Chip eines C64 gelutscht. Sein Weg ist der Weg vieler Kollegen und führte von Electro über Acid House und Rave zum Techno. Er könnte die- selben Geschichten erzählen, die alle Veteranenabspulen, wenn man sie nach ihren Einflüssen, der ersten selbst gekauften Platte oder auch einfach nach den guten, alten Zeiten fragen würde. Been there, done that! Es hat ihn nur etwas Mühe gekostet, dabei über all die Jahre sein “Low Profile” zu bewahren. Seit 2014 betreibt Huntemann sein Label Senso, das nach mehr als 5 Jahren Ideal Audio nun ein neues Kapitel für ihn darstellt. Neben zahlreichen 12”- Releasen und fast genau so vielen Remixen (u.a. für Underworld, Chemical Brothers und Depeche Mode) veröffentlicht er im November 2011 sein viertes Album “Paranoia”. Das Album behielt die erhabenen Standards seiner früheren Produktionen bei, bekam durch die Bank begeisterte Kritiken und festigte weiterhin Olivers Position als einer der gefragtesten Techno-Künstler.

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Oliver Huntemann öffnet euch mit diesem Set wieder ein neues Kapitel seiner wahnsinnig tollen Künste in der Welt der elektronisch erzeugten Klänge und es bleibt eigentlich nur noch zu sagen – anhören, abfeiern & genießen! Gönnt euch zum Mittwochenende den Machine Cast #67 … uuuuund spread the love & so!

SOUNDCLOUDFACEBOOKwww.huntemann.tv

TRACKLIST
01 Kammerflimmern – Hatzler – Senso Sounds
02 Morning Poem feat. Phetote the Poet – Chardronnet vs. Afrilounge – Audiomatique
03 Take The Cause – Rick Ebner – Sci+Tec
04 Beautiful Place – Kiko & Olivier Giacomotto – Noir Music
05 Unknown – Unknown – white
06 The Sky – THe WHite SHadow – Tenampa
07 Tourette (David Mayer Remix) – Terranova – Kompakt
08 Stiletto (Patrice Baumel Remix)- Jonty Scruff – Shapes On
09 Horizon – Pig & Dan – Elevate
10 Sgear – Gal Tsadok Hai – On Records
11 Steady Note – Daniel Bortz – Pastamusic
12 Express Yourself feat. Xenia Beliayeva (André Winter Rmx)- Mark Deutsche & Musoé – Noir Music

Über den Autor

wolfenwax

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