Wo die Liebe hinfährt.

25.6.2015
wolfenwax
Kolumnen, Werbung

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Manchmal weiß man den Wert der Dinge erst zu schätzen, wenn Gefahr droht sie zu verlieren. Zugegeben, keine leichte Aufgabe im routinierten Alltagstrott, Momente bewusster zu erleben wobei wir ohnehin schon automatisiert wie Maschinen unseren Tagesablauf abarbeiten.

Fast zwei Jahre ist es nun her als ich dieses Mädchen mit den wunderschönen Augen und goldblonden Locken kennenlernte. Während ich auf der Arbeit durch das Internet stöberte, fiel sie mir gleich auf. Für eine Freundin von ihr wurden Friseurmodelle gesucht. Ich wollte keinen Haarschnitt, ich wollte einfach nur ein Date. Nachdem wir knapp zwei Wochen fast täglich hin und her geschrieben haben, sollte es nun soweit sein. Ein richtiges Date.

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Ich glaube es war der Abend davor als sie verunsichert schrieb, das sie mir noch etwas sagen müsse. Sie wollte das persönlich besprechen und ich wurde völlig wahnsinnig vor Neugierde. Was hat eine Person, die man noch nie in seinem Leben getroffen hat schon wichtiges mit einem zu bereden? Vorsichtig tastete ich mich ein wenig ran und bat sie doch mit der Sprache rauszurücken.

Als dann nach einer gefühlten Ewigkeit ein endlos langer Text auf meinem Display erschien, fiel es mir wie die Schuppen von den Augen. „Ich habe Krebs“, das war der erste Satz. Starr vor Schock und mit den Tränen in den Augen war es, als würde ich ein Loch gerissen werden. Wieso muss ein so tolles Wesen mit 24 Jahren diese enorme Last tragen? Und sie schrieb weiter, dass sie verstehen könnte wenn ich mich jetzt nicht mehr mit ihr treffen wollen würde – was natürlich völliger Blödsinn war. Ich habe mir viele Gedanken dazu gemacht, den Kopf zerbrochen und mich letztendlich einfach darauf eingelassen.

Wir hatten einen wunderschönen Abend. Es wurde viel gelacht, bei guter Musik zusammen gesessen, sich ohne pause unterhalten und vor allem waren wir uns sofort sympathisch und haben auf Anhieb einen Draht zueinander gefunden.

Doch hier war von Anfang an alles anders. Ich war vor die Wahl gestellt und dazu gekommen eine Entscheidung mit besonderem Bedacht zu treffen. Ich wollte sie wiedersehen. Und ich habe sie wiedergesehen. Doch für das zweite zusammentreffen wollte ich etwas besonderes. Unabhängig davon ob aus der Geschichte mehr oder nicht wird. Manchmal schadet es nicht, einem Menschen einfach mal etwas gutes zu tun.

Mit meinem Gringo Chris und meinen ehemaligen Mitbewohnern schmiedeten wir einen Plan für das perfekte zweite Date. Dabei flossen Literweise Bier und im großen und ganzen kamen dabei ne‘ Menge scheiß Ideen bei rum. Bis auf eine.

Eine Woche später schrieb ich ihr, sie solle sich etwas bequemes anziehen und um 18.00 Uhr vor der Tür stehen. Pünktlich erschien Chris mit dem AMG Firmenwagen und war bereit uns nach Holland an den Strand zu chauffieren und dort ein kleines Feuerwerk zu zünden.

Ich denke noch oft an diesen Abend zurück. An das Funkeln in den Augen als sie und ich mit den Füßen in der eiskalten Nordsee standen. Knapp zwei Jahre sind seitdem vergangen. Inzwischen wohnen wir zusammen und haben uns ein bisschen was aufgebaut. Nicht zu viel, aber genug um das Wort Zuhause zu schätzen.

Die Chemo ist auch durch. Keine Spritzen mehr an jedem Montag, Mittwoch und Freitag. Kein üblen Nebenwirkungen mehr. Ich glaube dieses Mädchen hat mit ihrer Lebensfreude und unbändigen Kraft dem Krebs gezeigt, dass für ihn kein Platz ist wo so viel Liebe und Wärme existiert.

Bis heute bin ich dankbar für jeden einzelnen Tag den wir haben und versuche auch die noch so kleinen Momente schätzen zu lernen. Danke dir dafür Charly.

anhang1

Noch mehr Geschichten die euch inspirieren, mitreißen und unterhalten auf Defanzy. Ich garantiere euch, es lohnt sich.  Ich hab dort einige sehr spannende, merkwürdige aber auch schöne Dinge gesehen und gefunden. Fast schon meditativ hört man den Wörtern zu und schaut sich diese total unterschiedlichen Bilder an.

Hier mal ein paar Beispiele:

Viel spaß ihr schönen Menschen!

In Kooperation mit Defanzy


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wolfenwax

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