Willkommen im elektronischen Salon: Mit Warsteiner bei der ELECTRI_CITY Conference in Düsseldorf

09.11.2015
wolfenwax
Music, Travel Machines
Roland

Die Mischung macht’s: Microsoft Kinect, Neonröhren, ein wenig Schnur, Draht und elektronische Musik verschmolzen zu einer einzigartigen, interaktiven Installation.

Eines vorab: Ich bin ein großer Freund elektronischer Musik. Techno, Dub, Jungle, Ambient, guter House, Trip Hop, Electronica, sucht es euch aus – mit großer Leidenschaft bin ich stets aufs Neue im Internet unterwegs, um aus so vielen Genres wie möglich meine persönlichen Perlen zu finden. Ein noch größerer Freund bin ich allerdings von gepflegten Diskussionen, Debatten und Streitgesprächen mit variierenden Graden der Ernsthaftigkeit, gerne auch in schmerzhafter Länge und Intensität. Wenn sich das Ganze nun auch noch, in Gesellschaft ähnlich interessierter Gäste, zu einem extraordinären Event verbinden lässt, ist genügend Potential für ein aufregendes Erlebnis vorhanden.

Genau so geschehen am vergangenen Wochenende in Düsseldorf: Im Rahmen der Veröffentlichung des Buches „Electri_City“, welches sich mit der Geschichte und der Bedeutung Düsseldorfs für die elektronische Musik beschäftigt, kamen für drei Tage an verschiedenen Locations in der Rheinmetropole Journalisten, Aficionados, Männer vom Fach und alle, die es werden wollen, zusammen, um sich unter erlesenen Themen gesammelten, verschiedensten Facetten des Genres zu widmen. Im besonderen Fokus der Beobachtung der Autoren standen natürlich die weit über ihren ursprünglichen Kosmos hinaus einflussreichen Lokalmatadoren Kraftwerk und DAF (Deutsch-Amerikanische Freundschaft), deren Schaffen und Wirken auch im Gesamtprogramm der Konferenz entsprechend Platz eingeräumt wurde.

Nach unserer Ankunft in Düsseldorf am Freitagmorgen und dem Überbrücken der Zeit bis zum Check-In in unserer Unterkunft, machten wir uns geradewegs – an der malerischen Rheinpromenade entlang – auf den Weg zum Congress Center Düsseldorf (CCD) am Südende des Messegeländes, in welchem die Verantwortlichen hinter Electri_City eine mehr als angemessene Kulisse für ihre Konferenz gefunden haben. Zur Relation: Das CCD bietet über 6000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und, bei Öffnung aller Räumlichkeiten, bis zu 15000 Besuchern Platz.

Formant

A piece of music history: Der größte Formant-Synthesizer Europas.

ALLES, NUR NICHT ALLTÄGLICH

Unsere erste Station bei der Conference, die in ihrem Verlauf über 2000 interessierte Besucher aufs ins NRW-Forum lockte, war der Talk von Dr. Enno Stahl vom Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf zum Thema „Minimal-Poesie. Schwinden und Re-Enactment des Texts in der elektronischen Popmusik der 1970er/1980er Jahre“. Im Zentrum des Vortrags standen die vermeintlich sekundäre Rolle des Texts in den unzähligen Genres elektronischer Musik, die Wechselwirkungen zwischen Musik, Musikproduktion und verwendeten Instrumenten und textlicher Ausschmückung sowie, stets mit dem Blick auf Bedeutung und Geschichte Düsseldorfs im Kosmos der deutschen Elektroszene, das Fundament an Fakten anhand von Düsseldorfer Beispielen wie DAF. Ein Thema, das – wie sich im Laufe des Vortrags schnell herausstellen sollte – trotz des für den Laien womöglich sperrigen Titels, einen überraschend greifbaren Zugang zur Materie und eine extravagantere Perspektive auf die Musik ermöglichte.

Für die ersten musikalischen Impressionen unseres Trips zur Electri_City Conference sorgten am Freitagabend schließlich im CCD die Tiny Magnetic Pets und Wrangler. Besonders letztere Kombo, bestehend aus Phil Winter, Ben Edwards und Stephen Mallinder – seines Zeichens mit seiner Band Cabaret Voltaire in den 1970ern Pionier elektronischer Musik – führte die gefesselten Zuschauer mit live erzeugten, experimentellen Klängen tief in das Labyrinth des Sounds, welche sich mit den aufwändig inszenierten Lichtern und Visuals zu 45 nicht ganz alltäglichen Minuten entwickelten.

Space Pop, der seinem Namen gerecht wird: Len Sander live auf der ELECTRI_CITY Stage in Düsseldorf.

WENIGER THEORIE, MEHR PRAXIS

Das Finale des Freitagabends gestalteten im Anschluss der Düsseldorfer Lokalmatador und Ex-Mitglied von Kraftwerk, Michael Rother, gemeinsam mit Hans Lampe an den Drums und Franz Bargmann an der Gitarre. Deren Darbietung war für uns wohl bis dato die größte Überraschung: Ohne jegliche Erwartungen hineingegangen, genossen wir neben einer Menge ekstatisch feiernder, Düsseldorfer Fans von Michael Rother das von Krautrock beseelte, von viel individueller musikalischer Qualität geprägte und unter dem Titel „Michael Rother presents the music of NEU! and Harmonia plus selected solo works“ stehende Konzert.

Als einer der Hauptsponsoren der Conference lud Warsteiner zum berühmte-berüchtigten geselligen Teil des Abends in den Düsseldorfer Club Dr. Thompson’s ein, der von Elektro-Legende Rusty Egan und einem DJ-Set des Kölner Duos JUNGE JUNGE musikalisch begleitet wurde. In den extravagant-schicken, sehr stilvoll eingerichteten und in ein Nachtlokal verwandelten Räumlichkeiten einer ehemaligen Seifenfabrik gelegen, bot das Dr. Thompson’s eine ideale Kulisse für weniger Theorie und mehr Praxis bei kühlen Getränken und lauten Bässen.

Gebaeude

See you next year, ELECTRI_CITY Conference!

TECHNO: DARÜBER WIRD ZU REDEN SEIN

Das persönliche Highlight der Conference stand uns am Samstagnachmittag bevor: Der Electri_City Talk zum Thema Techno/Industrial. Eine kleine, aber feine Expertenrunde, auf die wir im Folgenden noch eingehen werden, versammelte sich unter der Moderation von Jochen Oberlack im imposanten und beeindruckenden Raum 1 des CCD. Mit den Akteuren Gabriel ‚Gabi’ Delgado von DAF, Ralf Dörper von den Krupps, sowie den in verschiedensten Formationen aktiven Produzenten Ramon Zenker (Bellini, Hardfloor) und Rolf Maier-Bode (RMB) entwickelte sich auf der Bühne unter dem interessierten Auge des Fachpublikums ein überaus interessantes, lockeres Gespräch, das einem tiefe Einblicke in die deutsche elektronische Geschichte erlaubenden Plaudern aus dem Nähkästchen gleich kam.

Zum unerwarteten, späten musikalischen Leckerbissen entwickelte sich zum Abschluss der Conference noch das Konzert des Zürcher Trios Len Sander, deren Space Pop seinem Namen alle Ehre machte: Mit umwerfenden E-Drums, mal sanften, mal überwältigenden Synthesizern und dem markanten Gesang ihrer Vokalisten hinterließen die jungen Schweizer offensichtlichen bleibenden Eindruck und sorgten mit ihren verträumten Stücken auch für willkommene Entspannung für einige ob der schieren Masse des Inputs ermatteten Besucher.

Die Electri_City Conference 2015, deren Stein des Anstoßes in dem im vergangenen Jahr veröffentlichten Buch „Electri_City. Elektronische Musik aus Düsseldorf“ liegt, war die Reise in den Westen auf jeden Fall wert: In professioneller, gehobener Atmosphäre in einer imposanten Location zeigte sich im Verlaufe des Wochenendes das große Interesse und der ungebremste Enthusiasmus von Fachpublikum wie „Laien“, die im CCD und im NRW-Forum Düsseldorf Ende Oktober mit Sicherheit einige ganz neue Facetten an elektronischer Musik kennen gelernt haben.

Wir bedanken uns bei den Organisatoren der Conference und Warsteiner für einen wirklich gelungenen Trip!

Über den Autor

wolfenwax

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