Nervenzusammenbruch, Leder und ein Vorstellungsgespräch: Warum ich neue Sneaker brauche

15.4.2016
wolfenwax
Shoeporn

Klassische Timberland 30003 vs. wunderschöne, schlecht in Szene gesetzte New Balance 997 made in USA – oder mein Kampf mit dem eigenen Spießerhund.

Spätestens am vergangenen Mittwoch ist mir wieder einmal – zum Glück nur annähernd schmerzhaft – bewusst geworden, dass Sneaker nicht nur für mich, sondern eigentlich auch für jeden, der Freund seiner eigenen Füße ist, ein absolutes Muss sind und endlich von jedem akzeptiert werden sollten. Von jedem. Was ist an bequemen „Turnschuhen“, wie sicherlich jede Mutter ihren mit den Augen rollenden Kindern gegenüber Nike Air Max 90 oder ähnliches schon einmal bezeichnet hat, denn nicht zu lieben? Zartes, sockenähnliches Primeknit, weiches Mesh, schickes Wildleder, überragende Dämpfung und Sohle? Man könnte glatt ins Schwärmen kommen.

Doch fangen wir von vorne an: Ein Vorstellungsgespräch für einen 450-Euro-Job bei einer Versicherung (Online-Content-Krams, für diejenigen, die es interessiert) brachte mich a) am frühen Mittwochmorgen auf die Beine und b) am Dienstagabend kurz vor einen Nervenzusammenbruch. Denn mein Schuhregal hier in Leipzig, obschon sehr schick und dope gefüllt, allerdings bei weitem nicht im gewünschten Umfang, ist schlicht und ergreifend lediglich mit Sneakern bestückt. Die einzigen Volllederschuhe, die ich besitze, sind meine Dr. Martens, die mich jetzt schon seit acht Jahren begleiten – auch nicht wirklich passend für einen Termin in einer der klassischen Anzug-Branchen. Allerdings nenne ich ein meiner bescheidenen Meinung nach sehr schickes Paar New Balance 997 mein Eigen, welche ich für meine Zwecke durchaus als angemessen empfand. Schicke, brandneue (weil im Schrank versauerte) Jeans von Edwin dazu und ein weißes Hemd. Voilà, sollte doch passen. Allerdings wäre ich nicht ich, hätte ich mich nicht vom Internet, meiner Mitbewohnerin und meiner eigenen Unschlüssigkeit so weit und so lange in meiner Entscheidung verunsichern lassen, bis auch der letzte Deichmann zu hatte. Langer Rede kurzer Sinn: Ich konnte mir dank eines Freundes (s/o Helge) noch mit halbwegs seriösen Schuhen behelfen, Vorstellungsgespräch lief gut, alles tutti.

Allerdings bereitete mir mein kleiner Freakout im Anschluss aus verschiedenen Gründen Kopfzerbrechen: Warum komme ich mir in regulären Schuhen so verkleidet vor? Wie kommt es, dass ich wenig Skrupel habe, an die 200 Euro für ein Paar persönlicher Favoriten hinzulegen, kriege es aber nicht hin, 30 Tacken für billige Anzugtreter zu investieren? Wenn ich den Job bekommen sollte, was kaufe ich zuerst – Business oder Grail? (Vorsicht: Rhetorische Frage!) Aber am wichtigsten: Welche Sneaker würde ich denn als Personaler bei einem Vorstellungsgespräch durchgehen lassen? 

Anmerkung zur Klarheit: Ich gehe hier, glaube ich, annähernd von Idealtypen aus, also wenn jemand nun bei mir als biederem Personalchef (Gott verdamme denjenigen, dem ich diese Position zu verdanken habe) in Sneakern vorstellig wird, dann bitte boxfresh oder gepflegt as fuck, please and thank you.

1. Asics Gel-Lyte III: Gentlemen Pack

Ein von @zaynt1144 gepostetes Foto am

2010 machte Asics einen ihrer Klassiker fit für jede Alltagssituation – den Mann von Welt erkennt man schließlich an seinen Schuhen. Personalchef Kili würde jedenfalls erstmal auf die Bewerbungsunterlagen sabbern und wäre extrem beeindruckt.

2. Nike Air Force 1

Dieser Nike Air Force 1 Flax – ein Modell welches nicht nur in diesem Colorway immer wieder neu aufgelegt wurde und seit Jahrzehnten ein unangefochtener Big Player ist und unangefochtenen Klassikerstatus hat – würde, seriös geschnürt, zu einem grauen Anzug sicher dope aussehen. Ich würde mich in dem Look einstellen, zweifellos! Es hat eben seine Gründe, dass der Nike Air Force 1 und viele andere zeitlose Retro-Sneaker nie völlig von der Bildfläche verschwinden.

3. Nike Mayfly Woven QS

Ein von John Hoang (@jvbz) gepostetes Foto am

Bei dem Kaiserwetter, was gestern hier in Leipzig geherrscht hat, würde ich diese Schuhe im Sommer bei jedem Bewerber, der sie stilvoll rocken kann, unter allen Umständen abfeiern. Mit auch der Tatsache geschuldet, dass ich mir einmal ein überragendes Angebot für alle Farben des ersten Quickstrike-Packs durch die Lappen habe gehen lassen und es bis heute bereue. Aber wer weiß, wohin uns das Nebenjob-Para bringt!

4. New Balance 1500 Gentleman’s Choice

Okay, okay, schon wieder was mit Gentlemen. Und auch sind alle Schuhe, die hier gelistet sind, entweder Vollleder oder Wildleder, aber hey: In diesem Szenario bin ich ja immerhin auch Personalchef, ein biederer noch dazu, und nicht euer Freund. Also hauen Sie hier mal nicht so auf den Putz, Kollege. Aber von meinen sicherlich auf allen Ebenen unzumutbaren cholerischen zweifelhaften großartigen Fähigkeiten als Personalchef mal zurück zu schönen Schuhen: Wer mit diesen Schönheiten nichts anfangen kann, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Ich für meinen Teil bin mir jedenfalls jetzt schon sicher, dass die erste Kohle von diesem Job, so ich denn dort arbeiten sollte, auf jeden Fall wieder für schicke Fußkluft draufgeht – ob diese Sneaker dann auch businesstauglich sein wird, steht auf einem anderen Blatt. Meine Aufregung war übrigens ziemlich ziemlich unbegründet: Geöffnet wurde mir von einer Dame mit Leo-Top und weißen Vans.

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wolfenwax

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