#witzefrei: Ein Inception-artiger Medien-Albtraum – Lost in Einspielfilm

08.4.2016
Markus
Film und TV

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Über die Geschehnisse rund um Jan Böhmermann und den möglichen juristischen Folgen seines Schmähgedichts gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, wurde auf verschiedenen Seiten ausführlich berichtet. Hätte ich vermutlich auch, wäre ich die letzten Tage nicht so hart am chillen gewesen, ist aber auch egal, schließlich (und das muss man dem Satiriker mal wieder lassen) hat er es geschafft, dass ganz Deutschland über ihn spricht – und ihr daher wohl auch bestens über den Vorfall informiert sein dürftet. Stattdessen versuche ich die gestrige Ausgabe des NEO Magazin Royals einzuordnen – im Speziellen: die letzten (oder ersten) 13 Minuten, die die Frage aufwerfen, ob wir uns um Jan Böhmermann sorgen machen müssen.

Die vergangene Woche dürfte verständlicherweise nicht ganz spurlos an ihm vorbeigegangen sein, soll heißen: Wenn sich selbst Angela Merkel zu Wort meldet, hat der Knabe aus Bremen-Vegesack wohl wirklich Dreck am Stecken. Zumindest darf bezweifelt werden, dass unsere Bundeskanzlerin Teil einer groß angelegten Medien-Posse à la #Varoufake ist.

Böhmermann schwenkt in diesen 13 Minuten in eine fiktive Gesprächssituation in die Talkshow von Anne Will und reist anschließend in einem abgefahrenen Trip durch die sonst so verkorkste deutsche Fernsehlandschaft.  Mal findet er sich mit Ex-Popsternchen Oli P. an einem Tisch des Perfekten Promi-Dinners wieder, dann in einer Prank-Show mit Simon Gosejohann, ehe er nach einem Werbespot aus den 80ern, in dem er selber als Actionfigur beworben wird, zurück in das eigene Studio an seinen Schreibtisch teleportiert wird und die Sendung von vorne zu beginnen scheint.

In Verbindung des für die Ausgabe gewählten Hashtags der Woche #witzefrei, liegt zunächst natürlich der Verdacht nahe, Böhmermann kritisiert gezielt die aktuellen Geschehnisse um seine Person und zeigt was tatsächlich wäre, wenn der von uns geschätzte Witz des Jan B. tatsächlich verloren gehen würde. Was zunächst vielleicht etwas arrogant klingen mag, dürfte in Zeiten in denen um die Rechtmäßigkeit der Rundfunkgebühr, aber auch um Presse, – und Kunstfreiheit diskutiert wird, eher stellvertretend für den uns eventuell dann grauen Fernsehmatsch aus Seifenoper und Dokus über Malzbier stehen, der uns als Konsequenz blühen könnte.

 

Der zweite und weitaus pragmatischere Denkansatz bezieht sich auf die letzte Ausgabe der Podcastreihe „Sanft und Sorgfältig“, in der Böhmermann gemeinsam mit Olli Schulz über ihre weitere Fernsehzukunft spricht. Laut Böhmermanns Aussagen endet nämlich demnächst sein Vetrag beim ZDF, was Spielraum für neue eigene Projekte und/oder Perspektiven aufwerfen könnte. Vielleicht befindet sich Böhmi aber auch einfach gerade selber in einer Phase, in dem er sein eigenes Handeln hinterfragt, einer Art „Mid-life-Crisis“ ausgelöst durch die andauernde Aufmerksamkeit, die zuletzt sogar die Bundesregierung erreichte.

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Es gibt vermutlich noch viele weitere Ansätze, mit dem sich der Clip bewerten lassen könnte, auch auf die Gefahr hin, dass man vielleicht etwas reininterpretiert, wo es womöglich gar nichts reinzuinterpretieren gibt – doch genau das ist es, was Jan Böhmermann als genialen Satiriker auszeichnet: Die Grenzen zwischen des Witzes und der Ernsthaftigkeit verschwimmen – ob das nun eine Antwort auf Kritik, Zweifel des eigenen Schaffens oder einfach nur ein weiterer Vorstoß seinerseits, die mediale Aufmerksamkeit auf sich zu lenken ist.

Oh und natürlich habe ich es mir auch nicht nehmen lassen, die eingeblendete Telefonnummer zu wählen.

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Über den Autor

Markus xxx

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