Aus seid und seit wird einheitlich seidt: MDR fällt auf Postillon-Artikel rein

03.8.2016
Markus
Web

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UND DAS VONG UNSEREN RUNGFUNGGEBÜREN!!!11!! Am vergangenen Sonntag jährte sich die Einführung der letzten großen Rechtschreibreform zum zwanzigsten Mal. Dieses Jubiläum nahm sich der Mitteldeutsche Rundfunk zum Anlass und veröffentlichte einen etwa zwei Minuten langen Radiobeitrag, um der Reform einem kleinem Fazit zu unterziehen. Thematisiert wurde darin u.a. die schwierige Umgewöhnung der Schreibweise von „Delfin“ mit „f“ statt „ph“, oder von „aufgrund“ statt „auf Grund“ – so weit, so langweilig.

Ab Minute 1:47 wird es dann aber doch noch spannend. So berichtet der MDR (ohne eine Quelle zu nennen) nämlich über eine weitere kommende Änderung der deutschen Rechtschreibung, die mir so noch nicht bekannt war.

20 Jahre Rechtschreibreform | MDR.DE

Da heißt es:

Ja, die Rechtschreibreform lässt vieles zu und verzeiht vieles. Und dennoch wird auch heute, 20 Jahre nach des Inkrafttretens, immer noch an ihr herumgebastelt. Die beiden Wörtchen seid und seit sollen ab dem neuen Schuljahr zusammengelegt werden in seidt – also hinten mit d und t. Denn an der richtigen Verwendung von seid oder seit scheiterten bisher 70 Prozent der Deutschen.

Was? Wie? Aus „seid“ und „seit“ wird tatsächlich einheitlich „seidt“? Wenn man sich zurück in den vergangenen Mai erinnert, lässt sich erahnen, wo der Ursprung dieser scheinbar hochexklusiven Meldung des MDR liegt.

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Hoppla. Der Postillon veröffentlichte nämlich vor drei Monaten einen Artikel, in dem es eben um diese Änderung geht. Und lieber MDR: Ich vermute mal, dass ihr Moises bisschen viel auf Facebook chillt, denn auch die Zahl der 70% der Deutschen, die nicht zwischen „seid“ und „seit“ unterscheiden können, ist völliger Quark – ganz so schlimm steht es dann doch noch nicht um uns.

 

Fast wortgleich steht im Artikel des Postillons nämlich:

„Seid“ oder „seit“? An der richtigen Verwendung dieser beiden unscheinbaren Wörter scheitern mehr als 70 Prozent aller Deutschen. Nun hat das Bildungsministerium eine Reform angekündigt: Ab Beginn des neuen Schuljahres im Herbst ersetzt ein einheitliches „seidt“ die beiden Formen.

Gut, dass man den Postillion als Satiremagazin nicht kennt, kann schon mal vorkommen. Dass sich die Kollegen vom MDR aber offenbar nicht mal ansatzweise die Mühe gemacht haben diese Meldung auf ihre Richtigkeit zu kontrollieren, bleibt mir ein Rätsel.

Oder aber es handelt sich um eine ganz seltsame ironische Form des Meta-Humors, die ich nicht verstehe. (Ich hoffe es).

Über den Autor

Markus xxx

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