One-Shot-Videokunst aus Frankreich: Jumo durchbricht mit „Nomade“ die Grenzen der Realität

26.9.2016
Markus
Music, Video

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Back from the grave, drinnen wie die Sommerernte und am Start wie es Brangelina bis vor kurzem noch waren. Zu diesem lauen Spätsommer öffnet Jumo für uns noch einmal eine ganz besondere Pralinenschachtel, die bei langsam fallenden Temperaturen die Seele von innen wärmt.

Es scheint widersprüchlich, einer flüchtigen Kunst wie der Musik, die sich lediglich im Moment entfaltet, das Etikett Körperlichkeit anhängen zu wollen. Und doch rufen gewisse Stilmittel solche Assoziationen hervor. In Verbindung mit einem eindrucksvollen Video zu seinem neuesten Track „Nomade“ beweist der französische Newcomer Jumo, dass es keinem dicken Hollywood-Budget bedarf, sondern lediglich einer zündenden Idee und einer Menge Kreativität um ein epochales Meisterwerk zu schaffen. Alles passt, Musik, Dramaturgie, Besetzung, alles.

Für das Video erstellte bereits Wochen vor Drehbeginn ein 22-köpfiges Team, welches auch zeitgleich am Set anwesend war, eine ausgeklügelte Choreographie, die jeder Protagonist verinnerlichen musste. Jede Bewegung musste exakt sitzen, damit sich niemand auf die Füße trat oder unfreiwillig durch die Kamera blitzte. Neben vordefinierten Wegen, half den Schauspielern dabei lediglich der Klang und Rhythmus von „Nomade“, der während der Arbeiten auch am Set stetig zu hören war. 10 Takes und rund 30 Drehstunden später, lag schließlich ein Ergebnis vor, welches die fließend-treibende Stimmung des Songs perfekt vermittelte.

Der Clip birgt dabei ein weiteres Detail, welches sich erst bei näherem Hinsehen offenbart:  Tatsächlich handelt es sich bei den Hauptdarstellern nämlich nicht etwa um zwei, sondern vier Personen – jeweils Zwillinge um genau zu sein. Dieser nicht leicht umzusetzende Kniff sorgte dafür, dass die Hauptcharaktere zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten auftauchen konnten, ohne dabei in Form von digitalen Tricks die handwerkliche Kunst und damit Authentizität der Szenerie zu vernachlässigen. Die einzigen technischen Eingriffe bei der Post-Produktion lassen sich mit kleineren Farbkorrekturen, dem Abstimmen des Sounddesigns und dem Hinzufügen der Untertitel daher locker an einer Hand abzählen.

Das Ergebnis ist ein wunderschönes Video, welches die Stimmung, wie auch den treibenden Beat des Songs sehr exakt transportiert. Zum einen natürlich wegen der bestechenden Idee, zum anderen polarisiert es aber auch auf eine Art und wirkt gerade mit den Klängen fast schon meditativ. Ich will gar nicht darauf eingehen was sich alles reininterpretieren lässt. Letztlich bleibt für mich auf den Punkt gebrachte Sehnsucht und Liebe.

Über den Autor

Markus xxx

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