Zu Besuch beim Eurosonic Noorderslag in Groningen: Dänische Musik erobert die Welt!

Knappe 560 Kilometer liegen zwischen der holländischen Stadt Groningen und dem dänischen Aarhus, rund 50 Kilometer mehr sind es nach Kopenhagen. Was die drei Städte verbindet? Die Musik natürlich! Kopenhagen und Aarhus sind die kulturellen Zentren Dänemarks, hier leben und werkeln die meisten kreativen Köpfe, hier entsteht ein Großteil des musikalischen Outputs des Landes.

Groningen wiederum bot der dänischen Musikszene vor wenigen Tagen eine einmalige Bühne, um sich zu präsentieren. Der Grund der außergewöhnlichen internationalen Verbindung ist schnell gefunden: Das alljährlich zu ungewöhnlicher Zeit im Januar und quer durch Groningen stattfindende Festival Eurosonic Noorderslag (ESNS) fokussiert sich jedes Jahr aufs Neue auf die Musikszene eines bestimmten Landes – und in diesem Jahr wurde eben Dänemark diese Ehre zuteil.

Eine tolle Sache für das kleine Land und für uns Grund genug, dem ESNS endlich einen Besuch abzustatten. Was wir dort so erlebt haben und welche Acts besonders zu empfehlen sind, erfahrt ihr in diesem Nachbericht. Los geht’s!

Okay, zugegeben: Superorganism, die Band auf dem oberen Foto, ist gar kein dänischer Act. Dennoch fangen wir aus einem sehr guten Grund mit ihnen an: Sie waren schlicht und ergreifend die beste Band des kompletten Festivals. Die Musik der als Kollektiv in London lebenden Gruppierung zu beschreiben, fällt einem dabei gar nicht so leicht. Indie? Elektropop? Irgendwas zwischendrin? Macht euch selbst ein Bild und checkt sie hier mal aus.

Wir dagegen wenden uns Velvet Volume zu, 3 Schwestern aus Aarhus, die zusammen auf der Bühne stehen. Wer nun gepflegte Popmusik erwartet, dürfte enttäuscht sein – oder überrascht, wie man’s nimmt. Die Mädels hauen nämlich ziemlich auf die Pauke, gerade live fühlt man sich sehr an die frühen Black Rebel Motorcycle Club erinnert, brechende Gitarrenriffs inklusive:

Doch einen Augenblick bitte! Direkt zuvor gab es ja (abgesehen von den schon genannten Superorganism) den wahrscheinlich ungewöhnlichsten Act des kompletten Festivals! Sein Name: Scarlet Pleasure! Die drei dänischen Jungs als „cheezy“ zu beschreiben, wäre fast schon untertrieben. Limahl, Spandau Ballett und 90’s Boybands (was machen eigentlich Touche & Bed & Breakfast heutzutage?) in einem Act zusammenzubringen, muss man erstmal schaffen.

Okay, vielleicht mag das etwas übertrieben klingen, aber der folgende Clip dürfte euch ziemlich eindrucksvoll beweisen, wie genau das gemeint ist. Und ja: Das mag vielleicht musikalisch nicht jedermanns Sache sein, sie live zu sehen, war dennoch ein wirklich cooles Erlebnis!

Es darf dabei natürlich nicht vergessen werden, dass man als Fokusland des ESNS natürlich eine möglichst weite Bandbreite an Musik bieten will – und wir als Besucher die auch geliefert bekommen haben! Dazu passend ist auch die Stadt ziemlich breit aufgestellt – und zwar an Locations. Das Eurosonic Noorderslag zieht ganz Groningen in seinen Bann, die Konzerte sind quer über die komplette Stadt verteilt.

So switcht man quasi ständig zwischen verschiedenen Orten, lernt spielerisch die Stadt kennen und stolpert so nebenbei über ziemlich einzigartige Konzertbühnen, bei 2 von ihnen handelt es sich sogar um umfunktionierte Kirchen. Hier spielte auch August Rosenbaum, der nächste Act auf der langen Liste der mir bis dato unbekannten, nach Begutachtung aber absolut sehens- und hörenswerten Musikern aus dem kleinen, feinen Dänemark.

 

Apropos Locations: Wann seid ihr das letzte Mal auf einem Gig in einer Schulaula gewesen? Bei mir dürften es minimum 15 Jahre her sein – bis letzte Woche! Lydmor spielte in einer ebensolchen – und optisch waren Schulen ja noch nie ein Highlight. Bis, ja bis das junge Allroundtalent ihre Show abzog – und die Zuschauer in ihren Bann zog.

Allroundtalent? Ja genau: Lydmor steht alleine auf der Bühne und spult ziemlich enthusiastisch ihr Programm ab. Macht aber nix, ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.


Und das gilt natürlich nicht nur für dieses eine Konzert, sondern das ganze Festival! Wer zuvor noch nie in Groningen war und von der frühen Jahreszeit nicht abgeschreckt wird (bei unserem Besuch gab es abwechselnd Sonne, Regen und Schneeschauer, ein interessantes *hust* Konzept!), für den bietet sich eine Stippvisite auf dem ESNS quasi an. Einfacher und schöner kann man kaum neue Musik entdecken!

Ups, fast vergessen: Danke Annett, Raphael, Daniel, Norman, dem Typen, der den Automaten mit Frittiertem erfunden hat und allen anderen :-)

Über den Autor

Tom Prokrastineur und Lebemann | besitzt ein Waffeleisen und kann damit umgehen | sieht nicht aus wie Moritz Bleibtreu |duscht bevorzugt nackt | Bei Beschwerden: Er hat mit der Sache nichts zu tun, wird jedoch den Schuldigen persönlich zur Rechenschaft ziehen!

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