Warum Dilek Yüzel ihrem Ehemann einen Strauß Petersilie überreichte

16.2.2018
Markus
Web

Es ist schon jetzt das Foto des Jahres. Nach über einem Jahr in Gefangenschaft wurde heute der deutsch-türkische „Welt“-Korrespondent Deniz Yüzel aus der Haft entlassen. Ein Jahr, ohne dass ihm je ein Prozess gemacht wurde, und das er nie wieder zurückbekommen wird. Umso emotionaler war das Wiedersehen mit Deniz Yüzels Ehefrau Dilek, die er vor den Toren der Strafvollzugsanstalt Silivri fest in seine Arme schloss. Mit der einen Hand seine Ehefrau fest im Griff, in der anderen einen Strauß Petersilie.

Deniz Yücel durfte während seiner 367 Tage anhaltenden Inhaftierung sechs verschiedene Zeitungen am Tag lesen und hatte einen eigenen Fernseher. Er bekam also sehr wohl mit, was die Außenwelt über ihn zu berichten hatte. Wonach er sich also mehr sehnte, war ein Stück Normalität. Dilek Yüzel bat daher, ihm Briefe zu schreiben, die vom Alltagsleben handeln und so schön seien, dass er beim Lesen das Gefühl bekomme, er röche den Duft einer Blume.

„Schreibt eure Briefe auf buntem Papier und verschickt sie in bunten Kuverts.“ bat Dilek Yüzel in ihrem emotionalen Artikel in der „Welt“ – „Tatsächlich könnt ihr auch versuchen, kleine Blumen auf die Briefe zu kleben“.

Er solle sich so fühlen, als laufe er barfuß über die Erde. Sie, so schreibt sie, klebte zum Beispiel immer breitblättrige Petersilie auf die Briefe – es sei die Blume ihrer Liebe und die Pflanze, die ihm das Grau des Gefängnisses nehmen würde.

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Markus xxx

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