Hip-Hop ist kein Zeigefinger

1418242_614486521936409_1762387096_n

In den letzten Zügen des vergangenen Jahres war ich mit den Jungs von Luk&Fil verabredet, um ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern. Am 16. Dezember 2013 wurde ihr zweites Album ‚Brot ist essbares Holz‚ veröffentlicht. Anlässlich dieses freudigen Ereignisses haben die beiden Mainzer Sichtexoten mir einige Fragen beantwortet.

Seit wann gibt es Luk&Fil?

KNOWSUM: Loki und ich sind schon seit der Grundschule Freunde. Irgendwann hat sich das mit Luk&Fil so ergeben, da wir beide gerne Musik gemacht haben. Zum Anfang gab es da noch jemanden auf unserer Schule, der auch in Richtung Hip-Hop rumgebastelt hat – von dem haben wir Beats bekommen. Dann habe ich angefangen, selber Beats zu bauen und Loki hat darauf gerappt. Damals sogar noch über die Playstation.

LOKI: Ja, irgendwann um die 6. Klasse herum hat das angefangen. Da haben wir uns wacke Beats aus diesem Internet gezogen und darauf gerappt. Oh Gott, sogar auf Englisch. Das war lustig… und zum Glück wurde es dann irgendwann besser (lacht).

Wie seid ihr zu eurem Label Sichtexot gekommen?

LOKI: Das war ganz witzig. Unser erster Auftritt war bei einem Rap-Contest in Mainz, der von Tufu und Buddi Becks organisiert wurde. Tufu und Buddi sind gleichzeitig auch die beiden Label-Gründer von Sichtexot, letzterer kümmert sich bei uns vor allem um die Juristerei. Aber zurück zum Thema: wir haben teilgenommen und sogar gleich gewonnen. Die Jungs fanden uns dope und haben uns zwei Jahre später, als sie das Label gegründet haben, gefragt, ob wir mitmachen wollen würden.

Danach folgten eure ersten Releases über Sichtexot, die ‚Ewokless EP‘ und euer erstes Album, ‚All That Glitter Ain’t Soul‘. War es anders für euch, nun mit einem Label im Hintergrund zu veröffentlichen?

LOKI: Nicht wirklich. Wir haben halt die ganze Zeit Musik gemacht. Besonders ‚All That Glitter Ain’t Soul‘ war eine Zusammenstellung von dem Material, das wir über zwei Jahre hinweg zusammengewürfelt haben. Bei der Fertigstellung des Albums haben wir darauf geachtet, das alles mehr oder weniger zusammenpasst – und dann haben wir es rausgehauen. Da hat uns Sichtexot aber nicht reingespielt. Wir haben einfach die Musik, die wir ohnehin über den Zeitraum der vergangenen Jahre gemacht haben, geordnet und auf ein Album gepackt. Erst bei unserem neuen Album ‚Brot ist essbares Holz‘ sind wir wirklich mit der Intention rangegangen, ein Album zu produzieren. Meiner Meinung nach ist es deswegen auch viel doper als alles Vorangegangene.

Wenn wir schon auf euer neues Album zu sprechen kommen: was könnt ihr über ‚Brot ist essbares Holz‘ sagen – insbesondere über den Schaffensprozess?

KNOWSUM: Ich habe Beats gemacht. Dann hat Loki gerappt. Und ich auch. Manchmal (grinst).

LOKI: Wir haben einen Track gemacht. Der heißt mittlerweile ‚Malcolm‘. Ursprünglich sollte er ‚The Boss Of Me Now‘ heißen. Knowsum hat ’ne dope Hook gemacht. Inhaltlich war das alles mehr so Unsinn. Gerade, wenn man sonst eher als ‚Conscious-Rapper‘ gesehen wird, war es für uns eine amüsante Abwechslung, zum Großteil Unsinn zu rappen. Es ist auch durchaus Sinn im Unsinn zu finden. Aber ‚Brot ist essbares Holz‘ ist auf keinen Fall dieses typische ‚Wir-erzählen-euch-was‘-Ding geworden.

Wie sieht das Musik machen bei euch aus? Trefft ihr euch in der Absicht, Tracks zu machen – oder wie läuft das bei euch?

KNOWSUM: Loki schreibt oft, wenn er bei mir ist. Ab und zu nehm‘ ich vorher noch was auf und schiebe es ihm dann rüber. Wir schicken uns viel hin und her.

LOKI: Ich schreibe meist aber zuhause, einfach, weil es dann besser wird. Wenn der Vibe stimmt, schreibe ich aber auch hier. Das macht dann auch mehr Spaß. Dann geht es mehr um Flow, um den Funk. Wenn man alleine schreibt, schreibt man bedachter. Wir machen aber selten zusammen einen kompletten Track am Stück fertig. Wir hocken uns nicht hin, er macht ’nen Beat und ich schreibe, wir schreiben ’ne Hook, er schreibt auch noch was und dann nehmen wir die ganze Chose auf. Nicht geplant, zumindest. Sowas braucht Zeit.

KNOWSUM: Am besten klappt es, wenn jeder seinen Scheiß macht und wir am Ende alles zusammenfügen. Und wir sind ja auch Homies, da funktioniert das ganz gut.

1373868_614486568603071_565484286_n

Ihr habt dieses Jahr zum ersten Mal auf dem Splash gespielt – und dann gleich auf der Hauptbühne. Wie war das für euch?

LOKI: Ich war auf jeden Fall aufgeregt vorm Splash. Das bin ich eigentlich nie vor Auftritten. Da schon. Ist halt schon ’ne Nummer größer. Es war ja nicht wirklich wie auf der Hauptbühne zocken – es war am Donnerstag und es waren auch nicht so unglaublich viele Menschen da. Aber es hat natürlich Spaß gemacht! Das Splash insgesamt war dope! Es waren viele geile Acts da!

Wie sieht es aus, mit wem wolltet ihr schon immer mal zusammen arbeiten? Und mit wem habt ihr auf eurem neuen Album gearbeitet?

KNOWSUM: Ich würde sau gerne irgendwann mal was mit Hiob machen. Den feiere ich sehr. Auf dem Album vertreten sind die Dramadigs, Mio Mao, Tufu und Eloquent.

LOKI: Und die Cuts sind von Flowtec.

Wer oder was beeinflusst euch in eurem Schaffensprozess?

KNOWSUM: Bei mir ist es hauptsächlich die Musik von meinem Vater. Der hat damals schon ’ne CD gehabt, auf der ‚The Official‘ von Jaylib mit drauf war. Das habe ich in meinem Kinderkopf verinnerlicht und angefangen, Beats zu bauen.

LOKI: Dazu muss man sagen, dass Knowsum mal einen Beat gebaut hat, der so ähnlich klang wie ‚The Official‘, ohne sich bewusst an jenen Track zu erinnern. Der war fast genauso dope. Der Sound war noch nicht ganz so krass, aber er hat den Beat eben ähnlich geflippt.

KNOWSUM: Ist mir auch erst letztens klar geworden. Sau geil.

LOKI: Bei mir gehen die Einflüsse, was das Texte schreiben angeht, in Richtung Lunte von Sichtbeton, Retrogott von Huss & Hodn sowie Hiob. Darüber hinaus verarbeite ich natürlich auch viel von dem, was ich so lese.

Zum Abschluss: Von Klassikern über Neuerscheinungen – welche Interpreten rotieren bei euch gerade?

LOKI: ‚Doris‘ von Earl Sweatshirt, das neue SSIO-Album, die ‚Mote Con Huesillos‘ EP von Retrogott & Brous One, ‚Duality‘ von Captain Murphy, ‚Madvillainy‘ von MF Doom und Madlib, Hiobs ‚Drama Konkret’…

KNOWSUM: Ich höre momentan viel Dimlite… und das neue FlyLo-Album!

Vielen Dank an Luk&Fil für das Interview!

Ein Snippet zum neuen Album findet ihr hier.
Das Album könnt ihr unter anderem auf der Bandcamp-Seite von Sichtexot käuflich erwerben.

Kurzinfo
Künstler: Luk&Fil
Titel: Brot ist essbares Holz
Label: Sichtexot
Veröffentlichung: Dezember 2013

© Die Rechte für die Beitragsbilder liegen bei Daniel Hoffmann.

This Week’s Soundtrack: Lone – Airglow Fires

lone-airglow-fires

Artist: Lone
Titel: Airglow Fires
Label: R & S Records (RS1310D)
Release Date: 2013
Genre: House

Zum ersten Mal wurde ich durch seine im Jahre 2012 erschienenen ‚Galaxy Garden‚ LP auf Lone aufmerksam. Früher Hip-Hop-Produzent, legte diese Platte damals den Grundstein für Matt Cutlers musikalische Karriere im House.

Die rhythmischen Rahmenbedingungen änderten sich zwar, aber noch immer zieht sich eine unverwechselbare Ästhetik durch all seine Produktionen – so wie auch auf seiner der ‚Galaxy Garden‘ folgenden Veröffentlichung ‚Airglow Fires‚.

Schon der Titel-Track überzeugt mit seinen klimpernden Melodien über schemenhaften Rave-Chords in einer unglaublich fesselnden Sound-Landschaft aus überschwänglichem Swing, der, wenn er dich erst einmal mitgerissen hat, dir leicht den Boden unter den Füßen wegziehen kann. Oft verglichen mit ‚Marilyn‘ von ‚Floating Points‘ hat ‚Airglow Fires‚ eine ähnliche überladene Innerlichkeit, ist in ihrem Ausdruck aber noch um einiges theatralischer.

Begin To Begin‚ dahingegen ist um einiges moderater, wenn auch nicht weniger eindrucksvoll. Die Stimmung innerhalb des Tracks baut sich um eine zentrale, sehr verschachtelte Melodie auf, die sich auf verschiedenen Höhen und Tiefen um ihre eigene Achse schlängelt und dabei immer wieder von der Bassline durchbrochen wird. Was wie simple Rumspielerei auf dem Keyboard wirkt, ist in Wirklichkeit hohe Kompositionskunst – in solch verschnörkelt-sphärischen Extreme getrieben, dass diese 12″ wie selbstverständlich ihren Platz in meinem Plattenregal gefunden hat.

Tracklist
A1 Airglow Fires
B1 Begin To Begin

Airglow Fires‚ ist unter anderem im Online-Shop von R&S Records erhältlich.


Und was lässt Du dir stechen?

Wir leben in einer Gesellschaft in der es mittlerweile zum Tages bild gehört bemalte Menschen zu sehen.

Es gibt sie in allen Variationen, Farben und Formen doch leider lassen sich diese viel zu oft in Stereotype packen und ansehen wie sie sie auch noch mit Herzenslust bedienen. Das ist vielleicht keine schöne,  aber eine wahre Geschichte. Auch ich hab vergangenes Wochenende wieder ein paar Stunden unter der Nadel verbracht, und Gott sei Dank diese nicht an einen der Psychopathen, die dir schneller ein Tribal mit sechs Sternen auf den Arm geklatscht haben, als du überhaupt nur die gefälschte Einverständniserklärung deiner Eltern vorgezeigt hast verschwendet. Okay.

Mein Freund,  er spaltet ansonsten auch mal Geschlechtsteile von anderen Leuten oder führt chirurgische Eingriffe zur Entfernung von unbrauchbaren Körperteilen wie Nippeln oder kleinen Zehen durch aber hey – ich finde das immer noch vertretbarer als mir ein Bild aus einem Katalog auszusuchen und dann brav im Praxisnahen Wartezimmer mit anliegender Permanent Make-Up Lounge, auf meinen gesellschaftlichen Stempel zu warten.

Während ich also dort auf der Bank liege und mir die abgefucktesten Ideen für irgendwelche Tätowierungen nur so aus der Birne platzen frage ich mich – was machen all die anderen Leute? Ist die liebe Jaqueline heute noch wie damals so glücklich mit ihrem Arschgeweih? Jamie-Linn trägt immer noch die trägerlosen Tops um sich in den Blicken der anderen zu wälzen, die lüstern auf ihre so bedeutungsvollen Worte wie „Freiheit, Vergebung, Familie, Kunst, Musik, Familie, Wurst…usw.“ starren. Ist es nicht gar der Zenit der personalisierten Verruchtheit, diese tollen Ausdrücke noch in andere Sprachen zu übersetzen? Vielleicht sogar LATEIN? Eher nicht. Dann doch lieber diese hübsche Hibiskus Blüte, mit dem Vogel von Seite zwei aus Buch vier und vielleicht die Schnörkel aus dem Buch da hinten, mit ein paar geheimnisvollen Zahlen und Buchstaben – Ja. Das ist perfekt, man mag es nicht glauben aber ich habe mich innerhalb einer halben Stunde in diesen abgemoderten Vorlagen Heftchen selbst gefunden.

Wie dem auch sei sehe ich wie der Böse komplett zugehackte Phallusspalter mit der dicksten Nadel die er hat, (liebevoll auch Straßenbesen) auf meine Brust einhämmert und mir die schwarze Tinte nur so ins Gesicht spritzt als wäre ich zufällig Teil einer Tintenfisch Bukkakeparty geworden.

Ich sehe ihm macht es Spaß, er lächelt so zufrieden als er dann einen Meter zurück geht und das zerkratzte und düstere „Love will tear us apart“ auf meiner Brust sieht, das er gerade dort hinein gehackt hat.Ich schaue ihm in seine grün gefärbten Augen und weiß das ist es. Ja, dieser total durchgeknallte und leicht wahnsinnig ausschauende Typ tätowiert sich gerade direkt in mein Herz.

Was ich eigentlich nur sagen möchte,  bevor ihr euch irgendeinen Blödsinn stechen lasst, den ihr auf so einer beknackten „The most beautiful Tattoos“ Facebook Page gesehen habt, macht den Kopf an und denkt nach was und wer ihr seid und entscheidet euch dann für einen Künstler der zu euch passt.

Danke! Ich freue mich schon auf den kommenden Sommer.

.solo

This Week’s Soundtrack: John Talabot – fIN

Auch in diesem Jahr wird sich wieder vieles verändern bei Dressed Like Machines.

Nachdem ihr alle hoffentlich selig mit zwanzig Kilo mehr auf den Hüften unterm Weihnachtsbaum lagt, nur, um euch das Hüftgold auf vier Silvestersausen gleichzeitig wieder vom Leib zu zappeln, möchte ich euch nun mit meinem zukünftigen Beitrag zu dieser Plattform vetraut machen.
This Week’s Soundtrack‚ wird er heißen und immer sonntags veröffentlicht werden. Und worum geht es? Um eine Kolumne von mir, in der ich euch jede Woche ein Album oder ein Musikstück präsentieren werde, das mich durch die Woche begleitet hat. Nicht mehr und nicht weniger.

Und damit möchte ich euch allen auch schon einen guten Start ins neue Jahr wünschen.
Lasst’s krachen!

John-Talabot

Artist: John Talabot
Titel: fIN
Label: Permanent Vacation (PERMVAC089-1)
Release Date: 2012
Genre: Electronic/Dance

Im Frühjahr 2012 überraschte uns der spanische House-Produzent John Talabot mit seinem Debüt-Album ‚fIN‚, einem spannungsgeladenen Freudenfeuer der elektronischen Tanzmusik, welches es auch nach mehr als zwei Jahrzehnten Genre-Bestehens noch schafft, ein absolutes Unikat zu sein.

Auch, wenn es scheint, als sei im Bereich der elektronischen Musik – ob im House, Techno, Garage oder im Trance – jeder Stein bereits mehrmals umgedreht worden – dieses Album wird euch trotzdem ins Staunen versetzen.
Denn John Talabot vermag es wie kaum ein anderer, auf solch eine beeindruckende Art und Weise Stimmungen, wie wir sie sonst mit Sonnenuntergängen an malerischen Südseestränden assoziieren würden, auf die Tanzfläche zu übertragen. Seine ansteigenden Akkorde geben uns selbst auf der dunkelsten Tanzfläche das Gefühl, die Arme und das Gesicht in Richtung der Sonne strecken zu müssen. Kaum vergleichbar ist auch sein Gespür für den Spannungsaufbau innerhalb eines jeden seiner Lieder. Sei es der ausgedehnte Break bei ‚Destiny‘ oder der lebhafte Bass bei ‚Missing You‘ – ‚fIN‘ ist so voll von Spannung steigernder und lösender Elemente, dass kein Track auf diesem Album dich loslässt, bevor nicht auch die letzten Klang-Facetten im Raum verhallt sind.

Die Fülle an betörenden Klangwelten, die Talabot auf ‚fIN‘ kreiert, offenbart sich in den verschiedenen Komponenten in diesem musikalischen Potpourri – in einer Aneinanderreihung von melodiösen Gefügen, Loops, Beats und musikalischer Atmosphären werden wir durch eine Stimmungswelt geführt, die ein warmes Glühen, eine berauschende Euphorie oder eine zarte Melancholie in uns wecken kann – je nachdem, in welcher Umgebung wir sind und inwieweit wir uns auf sie einlassen.

Die Verbindung, die Talabot mit seinem Debüt-Album zu uns schafft, manifestiert sich in seinem Einsatz verschiedenster Vocals – von fröhlichen Pop-Hooks über wortlosen Singsang bis hin zu einem widerhallenden Schrei bei ‚Oro y Sangre‘ und Cut-Up Vocals des Produzenten-Kollegen Pionals bei ‚So Will Be Now‘, die sich Stück für Stück in erkenntliche Sprache zusammenfügen. Ein großes Spektrum menschlichen Ausdrucks scheint damit auf diesem Album abgedeckt zu sein – nicht zuletzt lässt sich das auch an den Gesichtern der Menschen auf der Tanzfläche ablesen.

Alles in allem ist ‚fIN‘ eine sehr instinktive und selbstbewusste Produktion. Die Deep-House-Wurzeln Talabots treten dabei deutlich ans Tageslicht und versprechen dir auf voller Album-Länge ein bedeutsames Tanzerlebnis – aber ‚fIN‘ ist noch mehr: eine Ode an die Freude, eine Jubelfeier auf das Leben.

Tracklist
A1 Depak Ine
A2 Destiny feat. Pional
A3 El Oeste
A4 Oro y Sangre
A5 Journeys feat. Ekhi
A6 Missing You
A7 Last Land
A8 Estiu
A9 When The Past Was Present
A10 H.O.R.S.E.
A11 So Will Be Now feat. Pional

fIN‚ ist unter anderem im Online-Shop von Permanent Vacation erhältlich.

Eine Kassette für die Ewigkeit – Charly Hall und Akis Tsirogiannis von Greatberry Tapes im Interview

Foto: Charly Hall

„Ein Mixtape für dich“

Wer kennt ihn noch, den Bandsalat? Damals, als man die obligatorische Gute-Nacht-Geschichte zum Einschlafen hörte, oder mit dem Kassettenrekorder musikalische Liebesbotschaften für den Schwarm aufnahm. Ein Tape mit Musik zu bespielen hat Zeit gekostet. Egal ob die akribische Auswahl einzelner Lieder oder das Vor – und Zurückpulen bis zur richtigen Stelle. So vieles musste beachtet werden. Am Ende jedoch war alles perfekt aufeinander abgestimmt und die Kassette mit einem handgeschriebenen Titel versehen. Adressiert an eine bestimmte Person oder Ausdruck eines erlebten Gefühls. Immer wieder ließ sie sich optimieren und mit neuen musikalischen Erinnerungen befüllen. Ein Medium, das auch Charly Hall wieder für sich entdeckte.

Passend zum 50. Jubiläum der Kassette gründete er 2013 das Musik-Label “Greatberry Tapes”. Benannt wurde es nach der „Großbeerenstraße“ im Herzen von Kreuzberg, Nähe des Viktoriaparks. Die Tatsache, dass die Kassette so wenig Beachtung in Deutschland fand, veranlasste Charly Hall dazu sein eigenes “Kassettenprojekt” ins Leben zu rufen. Dazu kam die Neugierde einfach etwas zu wagen und der Kreativität freien Raum zu lassen. In Zeiten der Digitalisierung, die vor allem auf dem Musikmarkt deutlich wird, fokussiert sich Charly gemeinsam mit Geschäfspartner Akis Tsirogiannis hauptsächlich auf Künstler und Bands, die wie sie gegen den Strom schwimmen und analoge Veröffentlichungen bevorzugen.

In einem Interview verraten uns die Beiden, welche Erinnerungen sie mit dem Tape verbinden … mehr!

Send this to a friend