Olson über Trinkgeld, Sons of Anarchy & Späti-Boykotte – ein Interview

05.8.2014
Sophie Krause
Interviews, Music

Olson - Pressebilder 2014 - CMS Source (1024x683)

Es ist der 29. Juni 2014. Sommer. Trotzdem gießt es wie aus Eimern. Ich treffe Olson bei Universal zum Interview. Wir trinken Saft und Wasser und lachen viel.

Schönen Guten Tag. Erst einmal: vielen Dank für die Zeit.

Danke fürs Kommen. Schöne Schuhe. (Adidas Wmns ZX 500 2.0 Restyle)

Extra aus Spanien einfliegen lassen. Starten wir aber mal beim Urschleim. Magst du kurz erzählen, wer du bist, woher du kommst und was du am liebsten auf dem Teller hast?

Ich bin Oliver. Ich komme aus einer kleinen Vorstadt vor Düsseldorf und bin vor 2,5 Jahren nach Berlin gezogen. Und ich esse am liebsten Sushi. Es gibt aber auch bei mir ums Eck einen Vietnamesen, bei dem es Curry mit Mango und Hühnchen gibt. Das Menü kostet 4,90 EUR. Du gehst da rein, bestellst einmal die 2, weil du den ewig langen Namen nicht aussprechen kannst und dann gibst du nen 5er über den Ladentisch. Du bekommst aber keine 10 Cent zurück, weil die sich das immer schon automatisch als Trinkgeld nehmen. 20 Sekunden später bekommst du das Gericht eingepackt überreicht. Es schmeckt jedes Mal perfekt.

Ist das Essen dann auch warm? Ich war nämlich neulich im Dudu`s, nem Laden den ich jetzt nicht soooo mag… (ich ernte einen skeptischen Blick)

… mein Lieblingsladen.

Ok, das Essen schmeckt. Kam auch genauso schnell aus der Küche wie bei deinem Vietnamesen, war aber leider nur lauwarm. Schön, dass wir direkt über Essen sprechen.
Du bist schon ziemlich lange dabei. Dein Weg bis zum Signing war ein langer. Hast du zwischendurch daran gedacht, alles hinzuschmeißen oder warst du immer optimistisch, dass das noch was Großes wird?

Also ich habe nie daran gedacht aufzuhören. Ich habe nur gedacht, wenn es nichts wird oder nicht läuft, dann liegt es daran, dass du nicht gut genug bist. Und dann hab ich versucht mich zu steigern und besser zu werden. Ich habe immer daran geglaubt, dass es was wird, aber nicht gewusst, was genau. So, wie ich auch jetzt immer noch nicht weiß, was passieren wird und wie das Album ankommt.

Erzähl doch mal, wie das alles konkret gekommen ist. Du hast ja sicherlich kein Mixtape oder eine Promo-CD an Universal geschickt?

Doch! Wir habe ein Demo aufgenommen mit fünf Songs und haben das rumgeschickt. Ein paar wollten es machen und wir haben uns mit ein paar Leuten unterhalten. Hier hat es uns am Besten gefallen und dann ging`s  eigentlich auch direkt los.

Hast du dich „beworben“ als du noch in Düsseldorf warst?

Nee, nee, da war ich schon hier. So Mitte letzten Jahres.

Waren bei dem Demo Songs deiner letzten EP („40213“) vertreten?

Das waren alles komplett Songs vom Album. Ich habe quasi fürs Album drauf los gearbeitet, den Labels fünf Songs gezeigt und bei Universal hieß es dann: Ist geil! Mach weiter so! Daraufhin habe ich die Platte einfach fertig gemacht und abgegeben.

Und sind die Songs die du damals eingereicht hast, jetzt alle auch auf „Ballonherz“?

Alle, ja.

Crazy. Das heißt: die Arbeit am Album hat wann genau begonnen? Wie lange hat der Prozess gedauert?

Den ersten Song haben wir im Herbst 2012 gemacht. Circa ein dreiviertel Jahr später haben wir das Demo eingereicht. Das Master abgegeben haben wir am 01. Juni. Ich musste, glaube ich, am 1. Mai fertig sein. Das ganze hat also insgesamt ungefähr 1,5 Jahre gedauert.

Wie hast du die Arbeit an deinem Album denn wahrgenommen? Wenn ich dich jetzt so höre, klingt es so, als wärest du gut vorbereitet gewesen und wüsstest ganz genau wo du hin willst. War der Druck dann also gar nicht mehr so groß?

Ich hatte nie Druck. Weil am Anfang, als ich angefangen habe aufzunehmen, niemanden gab, dem ich irgendwie reporten musste. Da war ja niemand der gesagt hat, jetzt geh ins Studio und mach das, damit wir das und das erreichen. Sondern Ich bin einfach hingegangen und hab das erste Mal so völlig befreit Mucke gemacht. Nach dem Motto habe ich dann einfach ein paar Songs aufgenommen, hab sie dann den Jungs hier gezeigt und die waren so: ist geil, mach weiter so und mach nichts anders. Also konnte ich eigentlich recht entspannt daran arbeiten. Der Produzent und ich hatten immer zweiwöchentliche Studio-Blöcke, wo wir 2-3 Songs gemacht haben, bevor ich mich wieder für zwei Monate verkrochen habe, um zu schreiben. Dann wieder zwei Wochen Studio-Block und so weiter.

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Ein Leben ohne Musik ist wie Sommer in der Antarktis: DrLiMa im Interview mit I HEART SHARKS

10.4.2014
Fraugoldklee
Interviews, Music

 

I-Heart-Sharks-2014

Blood and sharks – Es war vor etwa zwei Jahren im Oktober. Alles begann mit einem recht spontanen Kartenkauf. Wir wollten mal testen „was die Jungs live so können“. Während der Autofahrt dröhnten Zeilen wie, ‚Let’s just pretend its summer‘, oder ‚why must we kiss with the lights out‘ aus den Boxen. Urbane Hymnen aus ehrlich gemachtem Pop von I HEART SHARKS . Hymnen eines Sommers, meines Sommers. Am Badesee, im Bus, beim Nacht-zum-Tage-machen, irgendwo zwischen Konfettiregen, Kippen und Pappbechern, gefüllt mit billigem Fusel.

Entsprechend hoch waren natürlich meine Erwartungen. Nur wusste ich bei Ankunft am Erfurter Museumskeller nicht so genau, wohin mit diesem riesen Berg an Vorfreude. Das alte Gewölbe ist Kneipe und Veranstaltungsort zugleich. Ein kleiner Saal, in dem nach Augenmaß geschätzt, vielleicht 30 Leute Platz finden. DOCH: Es war einer der BESTEN, sowie verrücktesten Konzertbesuche ever. Die Band war klasse. Das Publikum, ein wahnsinniger Haufen an geballter Energie. Der Schweiß tropfte von der Decke, alle tanzten wie wild, sangen sich die Seele aus dem Leib. Von der Bühne aus verteilte man reichlich Wasser und am Ende gab es sogar die ein oder andere blutige Nase. Aber hey, ich habe noch nie einen glücklicheren Menschen mit blutiger Nase gesehen. Ehrlich jetzt. Künstler und Fan waren irgendwie eins.

Genau das kann dieses Jahr wiederholt werden, DENN Pierre, Simon und Martin melden sich mit ihrem neuen Album „Anthems“ zurück und beginnen ihre Deutschlandtour am 24.04. (wieder) in Erfurt. History in the making und so!

Where the magic happens

Doch zunächst Back to Basics. London – New York – Bayern: Sie selbst beschreiben sich auf Facebook wie folgt: One english boy. One german boy. One lost boy. Und wo lernt sich solch eine hippe Indie-Electro-Band heutzutage kennen? Richtig! Janz klassisch, im Berghain! 2007 liefen sich die drei Jungs in den heiligen Hallen des Berliner Clubs zufällig über den Weg und es hat dieses berühmt-berüchtigte Zoom! gemacht. Ihre Idee war es, „Maschinenmusik“ zu produzieren, die eine menschliche Seele hat, Gitarren als Synthesizer und Synthesizer als Gitarren zu nutzen. Damit wollten sie die zynische, pseudo-intellektuelle Behauptung widerlegen, „Musik, die den Körper bewegt, könne den Geist nicht bewegen und umgekehrt“.

Und plötzlich waren sie überall, spielten auf etlichen Festivals, füllten kleine Clubs und große Hallen. Spätestens seit dem Trailer zum Berlin Festivals 2012, welcher musikalisch mit ihrer Single „Neuzeit“ unterlegt war, wussten die Menschen, wer I Heart Sharks sind. Mit ihrem neuen Album „Anthems“, dass am 28.03. released wurde, geht es nun mit 15 neuen Songs im Gepäck in Richtung Deutschlandtour und in den wohlverdienten Festivalsommer. Doch bevor sie damit starten, hatte ich noch einige Fragen an die drei.

Ich habe euch zum Ersten Mal in 2012 in Erfurt gesehen, im Ratskeller. Die Location war super winzig, wir waren bestimmt nur 40-60 Leute und es war eines der besten Konzerte auf denen ich jemals war. Wie nehmt ihr solche kleinen Clubkonzerte wahr?

P: Die Nähe und die Persönlichkeiten, die man im Publikum sieht. Kleine Konzerte machen mich immer viel nervöser als große.

S: Das weiß ich noch! Da war eine im Publikum mit einem gebrochenem Bein, und wir haben noch nach der Show geredet und ihr geholfen wieder die Treppe rauf zu kommen. So nah kommt man bei Festivals zum Beispiel nicht ans Publikum heran. Da wird man nach dem Auftritt von der Bühne geworfen, damit der nächste Act spielen kann. Man landet im Backstage und wird sehr schnell wieder von den Fans getrennt.

M: Es ist wohl der Club mit dem weltweit kleinsten Backstage und in diesem Jahr beginnt unsere Tour genau dort! Du spürst die Reaktionen viel unmittelbarer. Der Schweiß der Leute lässt den ganzen Club irgendwann zu einer kleinen Saunalandschaft verkommen. Ich habe nach solchen Konzerten meist das Gefühl, man kennt jetzt jeden aus dem Publikum.

Wie schafft ihr es so viel Energie au?

P: Wir bringen immer einen Ghettoblaster mit für den Backstage – weil Backstageräume häufig sehr triste Orte sind – und hören eine Mischung aus Prince und Robin S. zum aufwachen.

„Wolves“ oder „Summer“ sind richtige Dauerbrenner. Aber ist man nicht total unter Druck gesetzt, um diesen „alten Erfolgen“ auch auf der neuen Platte gerecht zu werden?

P: Dankeschön. Der Druck kam mehr von uns selber, weil wir eben nicht die gleichen Sachen nochmal wiederholen wollten. Der Moment, in dem man das macht, was man gut kennt, ist der Moment, in dem man aufhört zu lernen.

S: Ein großer Teil von dem Druck bestand darin, dass wir das Album zeitnah fertig haben wollten. Wir wussten, dass etwa anderthalb Jahre in Ordnung wären, und dann wollten wir natürlich, dass auf der Platte am Ende richtig große Songs drauf sind, die heute toll klingen, die wir aber auch noch in zehn Jahren auf Konzerten spielen können. Neue „Dauerbrenner“, wenn man so will. Ja, den Druck hat es gegeben.

Gibt es auf „Anthems“ große musikalische Unterschiede zum Vorgänger?

P: Alles klingt größer, aber auch intimer. Wir sind nicht eine dieser Bands, die Angst hat, viel in ihrer Musik zu machen. Manchmal ist more eben more.

Aus aktuellem Anlass: Wie sieht für euch der perfekte Sommer aus?

M: Unter der Woche mit dem Fahrrad und guten Freunden zu irgendeinem Strand – egal ob See oder Meer – fahren. Am Wochenende dann auf Festivalbühnen spielen. Das ist perfekt!

P: Frozen Margaritas und gute Unterhaltung.

S: Genug Zeit draußen in der Sonne. Oft sitzen wir tagelang nur im Tourbus und verpassen viel davon. Dieses Jahr will ich die Seen in der Nähe von Berlin mal richtig erkunden. Ich war seit vielen Jahren nicht mehr an einem See baden oder in einem Steinbruch. Und natürlich mit dem Fahrrad und ner Flasche Sekt hinfahren!

Apropos Festival – Habt ihr einen Fav. oder gar eine Empfehlung für uns?

M: Mein persönliches Lieblingsfestival ist das Haldern Pop am Niederrhein. Da geht es nur um die Musik und nicht darum, wer die schönsten Klamotten im Schlamm trägt. Außerdem kennt man meist nur 5 Bands und den Rest dann erst ein Jahr später, wenn deren Alben große Erfolge werden. Ein sehr schönes Festival ist das Feel Festival bei Berlin. Sehr gemütlich, sehr klein, sehr schön dekoriert und mit viel Liebe zum Detail gemacht.

P: Wir haben letztes Jahr auf dem Feel Festival bei Berlin gespielt. Das war sehr intim und sehr süß gemacht. Ich habe mich im Wald verlaufen und fand ständig neue Bühnen, auf denen irgendwelche bunten Parties stattgefunden haben. So soll es sein.

S: Zum Glück dürfen wir in den meisten Jahren auf sehr viele Festivals. Für uns ist es toll, weil sich in den Backstagebereichen sehr viele unserer Freunde herumtreiben. Auf diese Art haben wir zum Beispiel Kraftklub kennengelernt, aber auch andere Leute wie Casper und Claire oder Etnik trifft man immer wieder dort. Da hört die Hektik mit der Showvorbereitung kurz auf und man sagt sich „Hallo“.

Klar, irgendwo sind solche Fragen abgedroschen. Aber was inspiriert euch beim Musikmachen? 

M: Eine Aufzählung würde den Rahmen wohl sprengen, aber die Texte und Stimmungen von The National haben das Album sehr geprägt, auch wenn man es kaum hören wird.

P: Ich betrachte sehr gerne Menschen. Ich sitze gerne in Cafes und schaue Leute an, die vorbei laufen. Sonst, musikalisch betrachtet, Prince und Passion Pit zum Aufstehen, M83 und The Cure zum Überleben, und Interpol und The National zum Leiden.

S: Ich muss schon in der Laune sein, inspiriert zu werden. Das kann dann aus allen Richtungen auf mich zukommen. Ein Lied das mir eine Freundin auf Soundcloud teilt, irgendein Drumloop, den ich entdecke.

Wie kann man sich das Songwriting bei euch vorstellen? Sperrt ihr euch in ein Hotelzimmer ein, fahrt ihr ans Meer …?

P: Überall. Den Titeltrack habe ich in einem kleinen Haus auf Rügen im Winter angefangen, andere Songs im Hotelzimmer in Manchester, andere in Hamburg oder Berlin im Studio.

S: Alle Ideen landen über kurz oder lang auf unserem Studiorechner und von dort aus werden sie weiter vermanscht. Wir haben ein Studio in Neukölln, in dem ganz viele Gitarren und Synthesizer stehen. Da geben wir den Ideen dann Leben.

Gibt es eventuell bestimmte Künstler mit denen ihr gerne zusammenarbeiten würdet?

P: Bei „Anthems“ haben wir diesen Traum zum Teil realisiert – viele Songs sind mit dem Sänger von Wilhelm Tell Me, Henning Sommer, entstanden, und dazu hat Joseph Cross, der Produzent von Hurts und Courteeners, die Platte produziert.

S: The Knife! Wir lieben deren Lieder, wie sie elektronische Musik mit tiefergründigen Texten verbinden. Wenn man uns einen Tag im Studio mit denen geben könnte würde ganz sicher etwas ganz großes dabei raus kommen.

Achja, und wie hat das eigentlich alles so mit euch angefangen?

M: Ich habe durch Zufall eine Show mit Vienna, dem Nebenprojekt von Pierre, gespielt. Und Wochen später hatte ich eine Nachricht bei Facebook erhalten, ob ich denn nicht bei I Heart Sharks spielen wolle. Aus Mangel an Alternativen habe ich dann zugesagt.

P: Als wir nach Berlin zogen, waren wir sehr jung und haben viel zu viel gefeiert. Irgendwann haben wir uns entschieden, den Techno, den wir immer wieder in die Berliner Clubs hörten, auf Gitarren zu spielen, und die Gitarrenmusik, die ich aus England kannte, auf Synthesizern.

Warum liebt ihr Haie?

P: Weil sie äußerst gefährlich und gleichzeitig wirklich schön sind.

Gibt es ein momentanes (kollektives) Lieblingslied?

P: Unsere Differenzen machen uns eben interessant. Mein Lieblingslied ist gerade nach langer Zeit wieder „We Looked Like Giants von Death Cab For Cutie.

S: Haha, ja da sind wir sehr unterschiedlich. Das Lied hätte ich zum Beispiel niemals gewählt. Ich höre im Moment viel weniger Musik, um den Kopf mal wieder frei zu kriegen. In der Zeit beschäftige ich mich zum Beispiel damit, wie die Lichter zu unserer neue Bühnenshow programmiert werden können… und genieße dabei die Stille.

M: Bei mir ist es gerade „Running“ von Jessie Ware.

Ein Leben ohne Musik ist wie …

P: … taub sein?

S: … ein Leben ohne Leben?

M: … Sommer in der Antarktis.

 

Tour-Dates

24. 04. 2014  Erfurt , Museumskeller
25. 04. 2014  Köln, Club Bahnhof, Ehrenfeld
26. 04. 2014  Hamburg, Molotow
29. 04. 2014  Berlin, Bi Nuu
30. 04. 2014  Dresden, Beatpol
02. 05. 2014  Leipzig, Täubchenthal
03. 05. 2014  München, Strom
07. 05. 2014  Nürnberg, MUZ
08. 05. 2014  A- Wien, B72
09. 05. 2014  CH – Zürich
10. 05. 2014  Frankfurt , Nachtleben

 

 

 

This Week’s Soundtrack: Chet Faker – Thinking In Textures

26.1.2014
wolfenwax
Interviews, Music

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Artist: Chet Faker
Titel: Thinking In Textures
Label: Downtown Records
Release Date: 2012
Genre: Electronic/Dance, Pop

Jeder kennt ihn – den Klassiker von ‚Blackstreet‚ aus dem Jahre 1996, ‚No Diggity‚.
Sonst ja eher ein Track, zu dem man mit häufig mehr als einem zu viel im Tee sein Hüftgold irgendwo zwischen dem sechsten Bier und dem dritten Tequila-Shot mehr liebenswert linkisch als gekonnt lasziv in Szene setzt.
Chet Faker hat dieses so viel gespielte Lied auf seinem – übrigens darüber hinaus auch sehr empfehlenswerten – Album in ein neues Gewand gehüllt. Der Text ist derselbe, aber die Hinterhof-Kopfnicker-Atmosphäre wird durch eine Stimmung ersetzt, die sich mehr nach wohligem Zehenräkeln am Sonntagmorgen als nach wackelnden Hinteransichten in zu engen Shorts anfühlt.
Adaptionen sind ja immer so eine Sache. Besonders Filmadaptionen von Büchern treiben mich regelmäßig in den Wahnsinn, man kennt ja das Leid. Aber auch, wenn ‚No Diggity‘ für mich trotzdem immer mit ‚Blackstreet‘ und Rausschmeißer-Tracks in schummrig beleuchteten Bars verbunden bleiben wird – dieses Remake kann sich sehen lassen.
Also, zieht die Decke nochmal bis ganz unters Kinn und gebt Chet Faker eine Chance, euch vergessen zu lassen, dass morgen schon wieder Montag ist.

Tracklist
A1 I’m Into You
A2 Terms and Conditions
A3 No Diggity
A4 Love and Feeling
B1 Cigarettes and Chocolate
B2 Solo Sunrise
B3 Everything I Wanted

Thinking In Textures‚ ist unter anderem bei HHV.DE erhältlich.

This Week’s Soundtrack: Shigeto – Detroit Pt. 1

19.1.2014
wolfenwax
Interviews, Music

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Artist: Shigeto
Titel: Detroit Pt. 1
Label: Ghostly International (GI-186)
Release Date: 2013
Genre: Electronic/Dance

Viele von euch wissen sicher, was ich damit meine, wenn ich von der kindlichen Faszination spreche, die mich jedes Mal ergreift, wenn ich einen Plattenladen betrete. Soviel Musik um einen herum, so viele Geschichten, auf je etwa hundert Gramm Vinyl gepresst – so viele Emotionen, die man mit bereits erlebten Momenten verbindet, so viele Tonträger, die sich vielleicht noch einreihen in die Sammlung, die einmal so etwas wie der Soundtrack unseres Lebens wird.

Ich lasse also meinen Blick über die Regale schweifen… M, N, O, P, Q, R, S. Ich schaffe es bis zum S. Da verliert sich mein Blick in einem Farbenspiel aus sanften Gelb- und Rosa-Tönen, die sich mit einem strahlenden Türkis in sattes Blau vermengen und schließlich von tiefem Schwarz verschluckt werden. Bestimmt zehn Minuten stehe ich andächtig da, bevor ich mich traue, die Platte aus ihrer Hülle zu nehmen und auf einen der zerkratzten 1210er zu legen, die überall im Raum versteckt sind.

Es handelt sich um Zach ‚Shigeto‚ Saginaws drittes Studio-Album ‚No Better Time Than Now‚. Mein Gefühl trügt mich eigentlich nie. Wer Gespür für optische Ästhetik hat, hat auch ein Gespür für klangliche Ästhetik. Auch wenn ich euch wahrlich das ganze Album ans Herz legen möchte – heute soll es mir um ‚Detroit Pt. 1‚ gehen.

Ob innerhalb der Ruhe meiner vier Wände oder draußen in der Hektik auf den Straßen – mal ist es die sphärischen Synthesizer-Melodie, die mich durch den Raum schweben lässt, mal sind es die erstaunlich prägnanten Hip-Hop-Drums, die meinem Gang in der Menge Schwung verleihen.

Besonders wirkungsvoll wird ‚Detroit Pt. 1‘ in der Straßenbahn, wenn die Welt an einem vorbeizieht und sich alles in einem farbigen Schleier verliert – einer der wenigen Momente, in denen man sich die Zeit dafür nehmen kann, sich an das zu erinnern, was man sich eigentlich immer vor Augen führen sollte: wie wichtig es ist, den Moment zu leben. Und das ist es auch, was uns Zach Saginaw mit dieser Platte sagen möchte:

Lebt im Jetzt, lebt den Moment. Denn es gibt keine bessere Zeit dafür, als eben – jetzt.

Die Single ist unter anderem im Online-Shop von Ghostly International erhältlich.

Hip-Hop ist kein Zeigefinger

16.1.2014
wolfenwax
Interviews, Music

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In den letzten Zügen des vergangenen Jahres war ich mit den Jungs von Luk&Fil verabredet, um ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern. Am 16. Dezember 2013 wurde ihr zweites Album ‚Brot ist essbares Holz‚ veröffentlicht. Anlässlich dieses freudigen Ereignisses haben die beiden Mainzer Sichtexoten mir einige Fragen beantwortet.

Seit wann gibt es Luk&Fil?

KNOWSUM: Loki und ich sind schon seit der Grundschule Freunde. Irgendwann hat sich das mit Luk&Fil so ergeben, da wir beide gerne Musik gemacht haben. Zum Anfang gab es da noch jemanden auf unserer Schule, der auch in Richtung Hip-Hop rumgebastelt hat – von dem haben wir Beats bekommen. Dann habe ich angefangen, selber Beats zu bauen und Loki hat darauf gerappt. Damals sogar noch über die Playstation.

LOKI: Ja, irgendwann um die 6. Klasse herum hat das angefangen. Da haben wir uns wacke Beats aus diesem Internet gezogen und darauf gerappt. Oh Gott, sogar auf Englisch. Das war lustig… und zum Glück wurde es dann irgendwann besser (lacht).

Wie seid ihr zu eurem Label Sichtexot gekommen?

LOKI: Das war ganz witzig. Unser erster Auftritt war bei einem Rap-Contest in Mainz, der von Tufu und Buddi Becks organisiert wurde. Tufu und Buddi sind gleichzeitig auch die beiden Label-Gründer von Sichtexot, letzterer kümmert sich bei uns vor allem um die Juristerei. Aber zurück zum Thema: wir haben teilgenommen und sogar gleich gewonnen. Die Jungs fanden uns dope und haben uns zwei Jahre später, als sie das Label gegründet haben, gefragt, ob wir mitmachen wollen würden.

Danach folgten eure ersten Releases über Sichtexot, die ‚Ewokless EP‘ und euer erstes Album, ‚All That Glitter Ain’t Soul‘. War es anders für euch, nun mit einem Label im Hintergrund zu veröffentlichen?

LOKI: Nicht wirklich. Wir haben halt die ganze Zeit Musik gemacht. Besonders ‚All That Glitter Ain’t Soul‘ war eine Zusammenstellung von dem Material, das wir über zwei Jahre hinweg zusammengewürfelt haben. Bei der Fertigstellung des Albums haben wir darauf geachtet, das alles mehr oder weniger zusammenpasst – und dann haben wir es rausgehauen. Da hat uns Sichtexot aber nicht reingespielt. Wir haben einfach die Musik, die wir ohnehin über den Zeitraum der vergangenen Jahre gemacht haben, geordnet und auf ein Album gepackt. Erst bei unserem neuen Album ‚Brot ist essbares Holz‘ sind wir wirklich mit der Intention rangegangen, ein Album zu produzieren. Meiner Meinung nach ist es deswegen auch viel doper als alles Vorangegangene.

Wenn wir schon auf euer neues Album zu sprechen kommen: was könnt ihr über ‚Brot ist essbares Holz‘ sagen – insbesondere über den Schaffensprozess?

KNOWSUM: Ich habe Beats gemacht. Dann hat Loki gerappt. Und ich auch. Manchmal (grinst).

LOKI: Wir haben einen Track gemacht. Der heißt mittlerweile ‚Malcolm‘. Ursprünglich sollte er ‚The Boss Of Me Now‘ heißen. Knowsum hat ’ne dope Hook gemacht. Inhaltlich war das alles mehr so Unsinn. Gerade, wenn man sonst eher als ‚Conscious-Rapper‘ gesehen wird, war es für uns eine amüsante Abwechslung, zum Großteil Unsinn zu rappen. Es ist auch durchaus Sinn im Unsinn zu finden. Aber ‚Brot ist essbares Holz‘ ist auf keinen Fall dieses typische ‚Wir-erzählen-euch-was‘-Ding geworden.

Wie sieht das Musik machen bei euch aus? Trefft ihr euch in der Absicht, Tracks zu machen – oder wie läuft das bei euch?

KNOWSUM: Loki schreibt oft, wenn er bei mir ist. Ab und zu nehm‘ ich vorher noch was auf und schiebe es ihm dann rüber. Wir schicken uns viel hin und her.

LOKI: Ich schreibe meist aber zuhause, einfach, weil es dann besser wird. Wenn der Vibe stimmt, schreibe ich aber auch hier. Das macht dann auch mehr Spaß. Dann geht es mehr um Flow, um den Funk. Wenn man alleine schreibt, schreibt man bedachter. Wir machen aber selten zusammen einen kompletten Track am Stück fertig. Wir hocken uns nicht hin, er macht ’nen Beat und ich schreibe, wir schreiben ’ne Hook, er schreibt auch noch was und dann nehmen wir die ganze Chose auf. Nicht geplant, zumindest. Sowas braucht Zeit.

KNOWSUM: Am besten klappt es, wenn jeder seinen Scheiß macht und wir am Ende alles zusammenfügen. Und wir sind ja auch Homies, da funktioniert das ganz gut.

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Ihr habt dieses Jahr zum ersten Mal auf dem Splash gespielt – und dann gleich auf der Hauptbühne. Wie war das für euch?

LOKI: Ich war auf jeden Fall aufgeregt vorm Splash. Das bin ich eigentlich nie vor Auftritten. Da schon. Ist halt schon ’ne Nummer größer. Es war ja nicht wirklich wie auf der Hauptbühne zocken – es war am Donnerstag und es waren auch nicht so unglaublich viele Menschen da. Aber es hat natürlich Spaß gemacht! Das Splash insgesamt war dope! Es waren viele geile Acts da!

Wie sieht es aus, mit wem wolltet ihr schon immer mal zusammen arbeiten? Und mit wem habt ihr auf eurem neuen Album gearbeitet?

KNOWSUM: Ich würde sau gerne irgendwann mal was mit Hiob machen. Den feiere ich sehr. Auf dem Album vertreten sind die Dramadigs, Mio Mao, Tufu und Eloquent.

LOKI: Und die Cuts sind von Flowtec.

Wer oder was beeinflusst euch in eurem Schaffensprozess?

KNOWSUM: Bei mir ist es hauptsächlich die Musik von meinem Vater. Der hat damals schon ’ne CD gehabt, auf der ‚The Official‘ von Jaylib mit drauf war. Das habe ich in meinem Kinderkopf verinnerlicht und angefangen, Beats zu bauen.

LOKI: Dazu muss man sagen, dass Knowsum mal einen Beat gebaut hat, der so ähnlich klang wie ‚The Official‘, ohne sich bewusst an jenen Track zu erinnern. Der war fast genauso dope. Der Sound war noch nicht ganz so krass, aber er hat den Beat eben ähnlich geflippt.

KNOWSUM: Ist mir auch erst letztens klar geworden. Sau geil.

LOKI: Bei mir gehen die Einflüsse, was das Texte schreiben angeht, in Richtung Lunte von Sichtbeton, Retrogott von Huss & Hodn sowie Hiob. Darüber hinaus verarbeite ich natürlich auch viel von dem, was ich so lese.

Zum Abschluss: Von Klassikern über Neuerscheinungen – welche Interpreten rotieren bei euch gerade?

LOKI: ‚Doris‘ von Earl Sweatshirt, das neue SSIO-Album, die ‚Mote Con Huesillos‘ EP von Retrogott & Brous One, ‚Duality‘ von Captain Murphy, ‚Madvillainy‘ von MF Doom und Madlib, Hiobs ‚Drama Konkret’…

KNOWSUM: Ich höre momentan viel Dimlite… und das neue FlyLo-Album!

Vielen Dank an Luk&Fil für das Interview!

Ein Snippet zum neuen Album findet ihr hier.
Das Album könnt ihr unter anderem auf der Bandcamp-Seite von Sichtexot käuflich erwerben.

Kurzinfo
Künstler: Luk&Fil
Titel: Brot ist essbares Holz
Label: Sichtexot
Veröffentlichung: Dezember 2013

© Die Rechte für die Beitragsbilder liegen bei Daniel Hoffmann.

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